Jack Vance - Die Dämonenprinzen

Jack Vance – Die Dämonenprinzen

Die Dämonenprinzen gehören zu den bekanntesten Romanen von Jack Vance und erzählen die Geschichte eines Mannes, der auf einem Rachefeldzug nach Erlösung sucht.

Der Rachefeldzug eines Mannes

Kirth Gersen gehört zu den wenigen Überlebenden des Mount-Pleasant Massakers. Fünf Kriminelle – die Dämonenprinzen – plünderten und zerstörten seine Heimatwelt und nur dank seines Großvaters gelang ihm die Flucht. Zwanzig Jahre hält er sich im Verborgenen, bis er endlich die Gelegenheit bekommen soll, Vergeltung zu üben.

Alle fünf Romane dieser Reihe haben einen ähnlichen Aufbau. In jedem Band widmet sich Kirth Gersen der langwierigen Jagd nach einem Dämonenprinzen. Aus nahe liegenden Gründen halten die Dämonenprinzen ihre Identität und ihren Aufenthaltsort geheim, und so muss Kirth in bester Detektiv-Manier Spuren und Hinweisen folgen und in einem nervenaufreibenden Katz und Maus Spiel die Dämonenprinzen enttarnen.

So alt wie die Literatur selbst

Das Rachemotiv ist wahrscheinlich so alt wie die Literatur selbst. Bis heute erfreuen wir uns an Romanen und Filmen, in denen Protagonisten nach einem langem Leidensweg vermeintlich Gerechtigkeit walten lassen können. Doch kann eine Romanreihe, die vor mehr als fünfzig Jahren begann, auch heute noch begeistern, in einer Zeit, die überschwemmt wird mit ähnlichen Büchern?

Jack Vance Kreativität scheint keine Grenzen zu kennen

Diese Suche führt den Leser zu unzähligen Planeten und in unterschiedlichste Szenarien. Wir begleiten Kirth Gersen in einem atemberaubenden Tempo durch den Dschungel, in die Wüste, durch fortgeschrittene Städte und verlassene Außenposten. Jack Vance Kreativität scheint dabei keine Grenzen zu kennen. Auch in diesen Romanen wirft er den Leser gnadenlos von einem Szenario ins Nächste und lässt den Leser nicht zur Ruhe kommen. Regelmäßig entwirft er auf wenigen Seiten ganze Welten, die den Leser ganz in ihren Bann ziehen, nur um kurz darauf diese Welten zu verlassen und nie wieder zurückzukehren. Als Leser stört man sich nicht daran, denn schließlich hat einem schon längst das nächste Szenario in den Bann gezogen. Die Ideen, die in zweihundert Seiten eines Werkes von Jack Vance stecken, hätte heutzutage so manch ein Autor in Tausenden Seiten verarbeitet. Vance Romane sind ein herausragendes Beispiel dafür, zu was für kreative Höchstleistungen Menschen fähig sind. Hätte er nicht das Label eines Science Fiction Autors wäre er wohl schon längst für alle wichtigen Literaturpreise nominiert worden.

Ein Sprachkünstler

Dabei hilft es natürlich auch, dass Vance ein herausragender Schriftsteller ist. Seine stakkatohaften Kreativschübe würden nicht funktionieren, wenn nicht jeder Satz und jedes Wort perfekt sitzen würden. Er ist ein Meister in der Kunst des Weglassens und weiß genau, wie er Figuren und Welten lebendig erscheinen lassen kann und wie er die Essenz seiner Welten darstellen kann. Dabei hilft ihm auch sein beneidenswertes Sprachgefühl, als Leser merkt man einfach, dass dieser Autor Sprachen und Klänge liebt. Er vermischt verschiedenste Sprachen und erschafft Begriffe, die gleichzeitig vertraut und exotisch wirken.

Kirth Gersen als überzeugende Hauptfigur

Bei so einem Kreativfeuerwerk besteht leider auch immer die Gefahr, dass die Handlung darunter leidet und bei so einigen seiner Romane wird der Schluss auf den letzten Seiten abgehandelt, so als wäre es dem Autor erst dann bewusst geworden, dass ein Roman auch ein Ende braucht. Normalerweise stört mich das überhaupt nicht, schließlich lese ich ein Vance Werk nicht wegen eines stringenten Plots. Bei einer mehrbändigen Reihe sind meine Erwartungen an diesem Aspekt doch etwas höher und glücklicherweise enttäuscht Vance hier nicht und bietet eine saubere und durchgängige Handlung.

Mit dem Hauptprotagonisten Kirth Gersen ist Jack Vance ein großer Wurf gelungen. Er hat schon immer das Talent gehabt, kreative und lebendige Figuren zu schaffen, aber wie auch die Handlung geraten diese oft in den Schatten seiner Weltenschöpfungen. Kirth Gersen ist eine zerrissene Persönlichkeit, die gefangen ist zwischen seiner auferlegten Bestimmung und seinen Wunsch nach Freiheit. Nach der Zerstörung seiner Heimatwelt wurde er von seinem Großvater darauf vorbereitet, gewaltsam Rache zu üben und trainierte jahrzehntelang daraufhin. Alles in seinem Leben muss sich seiner Rache an den Dämonenprinzen unterordnen. Freundschaften, Jugend, Liebe und Freizeit sind unwichtig und werden dem vermeintlich höheren Zweck geopfert.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass ihm der Umgang mit anderen Menschen und insbesondere mit der Frauenwelt schwerfällt. Diese Schattenseiten sind ihm durchaus bewusst und er stellt sein Leben mehr als nur einmal in Frage. Er hofft, durch den Tod der Dämonenprinzen Erlösung zu finden, doch je näher er seinem Ziel kommt, desto verzweifelter wird er. Jeder tote Dämonenprinz bedeutet auch den Tod von Unschuldigen und sorgt für viele andere negative Entwicklungen. Von seinen Zielen kann er sich dennoch nicht lösen, zu stark hat ihm sein Großvater Hass und Gewaltbereitschaft eingeprägt.

Zunehmende Lösung von Stereotypen

Für eine Verschärfung des Konflikts sorgt auch die zunehmende Vermenschlichung der Dämonenprinzen. In den ersten beiden Romanen sind diese noch gewöhnliche Kriminelle, für die man als Leser keine Sympathien entwickeln kann und denen man nicht hinterher trauert. Der dritte Band, der zwölf Jahre später erschien, sollte dies ändern. Ab diesem Band beschäftigt sich Kirth Gersen ausführlich mit der Hintergrundgeschichte der Dämonenprinzen und muss feststellen, dass es sich bei ihnen nicht um seelenlose Verbrecher handelt. Vielmehr sind sie gewöhnliche Menschen, die in ihrer Kindheit prägende negative Erfahrungen machen mussten, die ihren weiteren Werdegang zumindest nachvollziehbar machen. Zunehmend fällt es Gersen schwerer, seine Gegner einfach zu töten.

Ohne mit dem Zaunpfahl zu winken, gelingt es Vance die Rache zu entglorifizieren und dem bloßen Töten den Ruhm zu nehmen. Dabei schafft er es die Balance zwischen Krimi, Abenteuer, Humor und einer ordentlichen Portion sense of wonder zu halten, ohne einen Aspekt zu vernachlässigen oder überzugewichten. Es fällt mir also nicht schwer nachzuvollziehen, warum die Dämonenprinzen zu seinen größten und wichtigsten Werken zählen.

Leinenbände für Liebhaber

Die Ausgaben der Edition Andreas Irle entsprechen allen anderen Bänden der voranschreitenden Gesamtausgabe. Jeder der fünf Bände ist in dunkelblauen Leinen gebunden, die Prägungen sind in Silber und eine Fadenheftung ist ebenso vorhanden. Leider fehlt auch hier ein Leseband, das bei dem doch recht hohen Preis angemessen wäre. Es sind nur noch wenige Exemplare der Leinenausgabe lieferbar, gebraucht kann man diese Bücher nur noch zu unmoralischen Preisen erwerben. Eine E-Book Ausgabe ist momentan (Stand: Dezember 2021) nicht verfügbar. Sollte sich dies ändern, werde ich dies im Blog bekannt geben. Immerhin darf man sich auf die Comic Adaption im Splitter Verlag freuen, die im April 2022 erscheinen soll.

Fazit

Die Dämonenprinzen Romane zählen völlig zurecht zu den beliebtesten und bekanntesten Werken von Jack Vance. Der geneigte Leser findet hier alles, was Vance Romane ausmacht und wird für viele Stunden großartig unterhalten!


Autor: Jack Vance

Titel: Der Sternenkönig – Die Mordmaschine – Der Palast der Liebe

Das Gesicht – Das Buch der Träume

Seiten: 218 – 211 – 233 – 276 – 279

Verlag: Edition Andreas Irle

Erscheinungsdatum: 1964 – 1964 – 1967

1979 – 1981

ISBN:

Übersetzer: Andreas Irle

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