Ein grünes gebundenes Buch mit dem Titel „Clarges“ von Jack Vance liegt auf einer Holzoberfläche.

Clarges

von Jack Vance


30.07.2021

  • Science-Fiction

Clarges zählt zu den Frühwerken von Jack Vance. Bereits hier deutet er an, was seine großen Werke ausmachen werden.

Tod oder Unsterblichkeit

Clarges ist die letzte Metropole eines Planeten, auf dem der technische Fortschritt den Tod besiegt hat. Dies führte zu Hass, Neid und Krieg. Die Überlebenden entwarfen ein Spiel, das die Bevölkerungszahl unter Kontrolle hält und gleichzeitig den Zugang zum unendlichen Leben ermöglicht. Jeder Mensch bekommt eine bestimmte Lebenszeit zugewiesen und kann sich stufenweise weitere Jahre hinzuverdienen. 

Bleibt man hingegen auf einer Stufe stecken, dann wird man nach Ablauf der verbliebenen Lebenszeit umgebracht. Gavin Waylock hat die oberste Stufe – die Unsterblichkeit – bereits erreicht. Doch ein Zwischenfall stuft ihn herab und er muss fliehen. Nach vielen Jahren im Untergrund möchte er erneut am Spiel teilnehmen, doch seine Vergangenheit droht ihn einzuholen.

Der alltägliche Kampf um das ewige Leben

Jack Vance läuft in Deutschland immer noch unter dem Radar. Unverständlich, gilt er doch in weiten Teilen der Welt als großer Wortkünstler und begnadeter Schriftsteller. Bei Clarges (1956) handelt es sich um einen Roman aus seinem Frühwerk, der vieles enthält, was Vance so unterhaltsam macht. Die meisten Menschen auf Clarges wollen die Unsterblichkeit erreichen und deswegen vernachlässigen sie alles andere.

Ihr Alltag besteht aus Arbeit, Schlaf und dem Erwerb von nützlichen Fähigkeiten. Zeit für Müßiggang bleibt nicht, schließlich kämpfen Millionen Menschen um wenige Hundert Stellen als Unsterbliche. Druck lassen sie einmal im Monat in Carnevalle ab, einer Art Las Vegas. Viele Menschen verzweifeln und die Irrenhäuser sind überfüllt. Auf den Straßen stellen immer mehr Menschen das System infrage und organisieren den Widerstand.

Sprache als Stützpfeiler

Genau da setzt die Handlung ein. Es handelt sich um das klassische Vance-Motiv des Kampfes gegen eine Übermacht. Dass der Roman nicht mit späteren Werken mithalten kann, liegt insbesondere an den blassen Figuren – oft nicht mehr als Statisten. Gerade Waylock besitzt zwar eine interessante Vergangenheit. Leider ist nicht nachvollziehbar, warum es überhaupt dazu gekommen ist.

Das alles ändert nichts daran, dass Jack Vance der geborene Geschichtenerzähler ist. Aus vielen Sprachen formt er neue Worte, die einen bekannten Klang haben (Palliatorium statt Psychiatrie), oder er nutzt nur halb erklärte Begriffe (Phyle, Heptant, Aquefakte). Die vagen Andeutungen sorgen dafür, dass wir vermuten, dass wir nur einen Bruchteil einer größeren Welt gesehen haben. Sofort springt unsere Fantasie an. Faszinierend, wie wenige Worte das bewirken können.

Eine Liebhaberausgabe

Erschienen ist der Roman in der Edition Andreas Irle. Der Verleger und Übersetzer Andreas Irle hat es sich zur Aufgabe gemacht, Vances Werke in limitierten und hochwertigen Ausgaben herauszugeben. Freuen dürfen wir uns daher über einen hellgrünen Leineneinband, stabiles Papier und eine Fadenheftung. Leider fehlt ein Leseband. Ursprünglich lautete der Originaltitel To Live Forever. Erst die Vance Integral Edition setzte die Umbenennung zu Clarges durch.

Pro/Contra

Pro
  • Unterhaltsames Szenario
  • Faszinierender Einsatz von Klang und Sprache
Contra
  • Nicht das beste Werk aus seiner Feder
  • Schwach ausgearbeitete Hauptfigur

Fazit


Clarges von Jack Vance enthält bereits vieles, was Vance später so stark macht. Sicherlich nicht sein bestes Werk, aber immer noch verdammt unterhaltsam.

autor: Jack Vance

Titel: Clarges

Seiten: 255

Erscheinungsdatum: 1956

Verlag: Edition Andreas Irle

ISBN: 9783936922226

Übersetzer: Andreas Irle

illustratoren: –

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Kommentare
Neuste
Älteste
Inline Feedbacks
Sehe dir alle Kommentare an