
Die Tschai
von Jack Vance
17.09.2021
- Phantastik
- ·
- Science-Fiction
Die Tschai-Reihe (Planet of Adventures) ist ein klassisches Planetenabenteuer von Jack Vance und erschien in einer Hochphase seines Schaffens. Kann dieser Vierteiler mit anderen Werken dieser Zeit mithalten?
Eine atemberaubende Odyssee
Die Tschai-Reihe umfasst die vier aufeinander aufbauenden Romane Die Khusch, Die Wannek, Die Dirdir und Die Pnume. Zu Beginn folgt ein Erdenschiff einem Signal, das vom Planeten Tschai stammt. Doch schon kurz nach der Ankunft wird das Mutterschiff zerstört, nur der Kundschafter Adam Reith überlebt. Sein Ziel ist es fortan, den Planeten so schnell wie möglich zu verlassen. Keine leichte Aufgabe: Ihn erwarten vier intelligente Rassen, die Menschen ausschließlich als Sklaven halten.
Faszinierende Schöpfungskraft
Jack Vance veröffentlichte die Tschai-Romane zwischen 1968 und 1970 und damit zu einer Hochphase seines Schaffens. In dieser Zeit erschienen prägende Werke wie die Dämonenprinzen-Romane, Emphyrio oder Der azurne Planet. Und in vielerlei Hinsicht finden wir bekannte Motive. Da wäre etwa der Außenseiter als Protagonist, der in eine fremde Gesellschaft eindringt und sie zumindest ein Stück weit verändert. Aber auch die fantasievolle Schilderung exotischer Kulturen und Gesellschaftsformen.
Das Ersinnen fremder Kulturen war schon immer eine Stärke von Vance. Doch die vielseitigen und komplexen Gesellschaften, die er hier entwirft, sind sogar für seine Verhältnisse beachtlich. Er erschafft nicht weniger als das farbenprächtige Panorama eines ganzen Planeten. Wir begegnen vier außerirdischen Rassen mit eigenen Sitten und Gebräuchen und angepassten menschlichen Sklaven. Darüber hinaus bereichern viele weitere Völker und Stämme das Bild.
Blasse Hauptfigur
Unter den umfangreichen Schilderungen leiden die Charaktere – eigentlich eine Stärke von Vance. Ausgerechnet Adam Reith bleibt in den ersten drei Romanen recht blass. Auf eine Entwicklung warten wir – trotz zahlreicher Gelegenheiten – vergeblich. Er ist ein klassischer Actionheld, der jedes Problem mit der Brechstange löst.
Oft baut Vance über viele Seiten einen Spannungsbogen auf, nur um diesen dann mit einer plumpen Lösung einzureißen. Erst im vierten Band löst sich Reith von seinen stereotypen Eigenschaften. Interessante Figuren wie der Nomadenhäuptling Traz oder der Intellektuelle Anacho bleiben bedauerlicherweise nur Statisten und Lückenfüller.
Spannung und Kreativität
Dafür entschädigt die abwechslungsreiche und temporeiche Handlung: Auf der Suche nach einem Ausweg lernt Adam Reith die verschiedenen Kulturen kennen, gerät in gefährliche Situationen und versucht, den Sklaven eine neue Perspektive zu geben. Dazu muss er sich durch bunte Szenarien kämpfen, etwa in der Wüste, auf See, auf Basaren oder in Tunnelsystemen.
Vances Beschreibungen leben vom Wechsel zwischen Oberfläche und Detail. Bei seinen Beschreibungen lässt er bewusst Lücken und deutet vieles nur an. Diese muss die geneigte Leserin mit der eigenen Vorstellungskraft füllen. Ein essentieller Bestandteil der Leseerfahrung ist somit die eigene Fantasie. So bietet dieses Buch trotz schwacher Charaktere viele vergnügliche Lesestunden.
Angemessene Ausgabe
Die Ausgaben der Edition Andreas Irle sind wieder einmal gelungen. Die Bücher sind in gelben Leinen gebunden, besitzen eine Goldprägung, Fadenheftung und eine gute Papierqualität. Auf dem Vorsatz und Nachsatz ist eine Karte des Planeten abgedruckt, die bei der Orientierung hilft. Leider fehlt ein Leseband, was aufgrund der Kürze der Romane noch verkraftbar ist. Die Übersetzung stammt von Andreas Irle.
Werke von Jack Vance
Bibliographie
Pro/Contra
Pro
- Vance Ideenreichtum bringt den Leser immer wieder zum Staunen
- Das farbenprächtige Panorama des Planeten Tschai lässt bis zur letzten Seite keine Langeweile aufkommen
Contra
- Die Hauptfigur kann sich erst im vierten Band vom Action-Held Klischee lösen
Fazit
Die Tschai Romane von Jack Vance sind wahre Pageturner, die für viele Stunden gute Unterhaltung bieten. Ein Genuss für jeden, der sich für Kreativität und Sprache begeistern lassen kann!
autor: Jack Vance
Titel: Die Tschai
Seiten:
Erscheinungsdatum: 1968 – 1970
Verlag: Edition Andreas Irle
ISBN: 9783936922172
Übersetzer: Andreas irle
illustratoren: –
Reihe: Die Tschai (1 – 4)









