Jack Vance - Durdane Trilogie

Jack Vance – Die Durdane Trilogie

Die Durdane Trilogie ist ein klassisches Planetenabenteuer des in Deutschland immer noch unterschätzten Science Fiction Autors Jack Vance.

Widerstand gegen Normen und Konventionen

Der titelgebende Planet Durdane wurde vor Jahrtausenden von Menschen besiedelt, die den Kontakt zur Erde abbrachen und sich technologisch weit zurückentwickelten. Im ersten Band Der Anome leben auf dem Kontinent Shant zahlreiche Kulturen mehr oder weniger friedlich nebeneinander und haben unterschiedlichste Sitten und Gebräuche entwickelt. Beherrscht werden die Einwohner von einem scheinbar allmächtigem Herrscher, dem Anomen. Dieser besitzt die Macht, die Halsringe, die jeder Einwohner beim Eintritt in das Erwachsenenalter erhält, zum explodieren zu bringen. Diese Gefahr droht vor allem bei Regelverstößen, die Ringe werden jedoch von vielen Einwohnern befürwortet, da der Anome sich nur bei von ihnen festgesetzten Verstößen einmischt und im Gegensatz dazu ein relativ friedfertiges Leben verspricht.

Der junge Mur wächst in einer religiösen Sekte auf, die jeglicher Kreativität abgeschworen hat und strengen Riten folgt. Er flieht auf abenteuerliche Art und Weise, wird Musiker und nennt sich fortan Gastel Etzwane. Viele Jahre wandert er in Shant umher, bis ein kriegerisches Volk, die Roguskhoi, seine Welt und seine Familie bedrohen. Er beschließt in den Krieg einzugreifen und verändert dabei das Leben ganzer Völker.

Die Roguskhoi schließt direkt an die Ereignisse des ersten Bandes und und rückt den Krieg zwischen den Menschen und den Roguskhoi in den Mittelpunkt. Im abschließenden dritten Band Die Asutra führt der Roguskhoi Konflikt Gastel schließlich auf den fernen Kontinent Caraz um das Geheimnis um den Ursprung der Roguskhoi zu ergründen.

Krieg mit den Mitteln der Sprache

Die Durdane Romane vereinigen einige der besten und bekanntesten Elemente von Vance Werken. Der Anome ist im weitesten Sinne eine Coming of Age/Ursprungsgeschichte, in der ein junger Mann sich gegen Konventionen erhebt, um Freiheit zu erlangen. Der zweite Band widmet sich ausführlich dem Kampf der Menschen gegen eine übermächtige Bedrohung. Erst der Sieg über alte Denkstrukturen ermöglicht den Erfolg der Menschen. Der Roman liest sich aufgrund der vielen absurden politischen Machtspiele zeitweise wie eine Satire, hervorstechend sind etwa die Umstrukturierung des Geheimdienstes oder die Umwälzung des politischen Systems.

Der dritte Band Die Asutra stellt einen Bruch innerhalb der Trilogie dar. Anstatt die Reise auf den fernen und riesigen Kontinent Caraz dazu zu nutzen, noch mehr Action und bombastische Elemente – die durchaus auch vorkommen – in die Geschichte einzubauen konzentriert sich der Roman wieder auf den Protagonisten Gastel. Dieser setzt allerdings nicht mehr Ereignisse in Gang, sondern ist oft von anderen Menschen abhängig, trifft falsche Entscheidungen und ist in vielen Fällen nicht mehr als Beobachter oder Leidtragender der Handlungen anderer. Dieser Kontrast zwischen dem unwichtigen Einzelnen und dem Geschehen ist genauso ernüchternd wie erfrischend, auf alle Fälle aber ein gelungener Roman, der viele Handlungsbögen nicht so schließt wie erwartet und die Durdane Trilogie zu einem befriedigenden Abschluss bringt.

Starke Charaktere …

Es ist eine große Stärke von Jack Vance, dass einem kein Charakter kalt lässt. Der im Mittelpunkt stehende Gastel Etzwane steht stellvertretend für so viele Rebellen in Vances Werken, die sich gegen starre Konventionen und überholte Traditionen stellen, egal wie hoch der Preis auch sein mag. Er wächst als Außenseiter in einer abgeschotteten Gesellschaft auf, überwindet mühsam sich selbst und später eine in Starre verfallene Gesellschaft. Daneben gibt es auch viele weitere bunte Charaktere, wie den von der Erde geschickten Beobachter Ifness, den Musiker Frolitz, den ehemaligen Sklave Finnerack oder auch die zahlreichen weiteren sympathischen Charaktere in kleineren Rollen, die durchweg Sympathie, Interesse oder Abscheu erregen.

… in exotischen Welten

Im Mittelpunkt aller Vance Werke stehen aber immer noch sein Schreibstil und die exotische Welten und Kulturen, die er erschaffen kann. Mit ganz wenigen Worten und kreativen Wortschöpfungen schafft er es ganze Welten vor den Augen des Lesers entstehen zu lassen. Es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, dass auf mindestens jeder zweiten Seite eine überraschende und neugierig machende Idee vorhanden ist. So manch ein Schriftsteller hätte daraus ganze Zyklen gesponnen, bei Vance verpuffen diese Ideen nach kurzer Zeit, bleibt oftmals nur ein kurzes Feuerwerk der Kreativität, angerissene Handlungen werden selten und dann auch nur unbefriedigend beendet. Aber diese stakkatohaften, kreativen Niederschläge macht auch den Reiz seiner Romane aus und spielen sich so sehr in den Vordergrund, dass die eigentliche Handlung keine Rolle mehr spielt und nur noch als Bühne für seine Kreativität und Sprache dient.

Eine (fast) perfekte Ausgabe!

Die drei Romane erschienen allesamt in der Edition Andreas Irle. Dieser engagierte Kleinverlag hat es sich zu seiner Aufgabe gemacht, alle Werke des Autors in einer einheitlichen und hochwertigen Ausstattung zu veröffentlichen. Dazu gehören ein hochwertiger Leineneinband, Goldprägung und auch eine Fadenbindung, das Fehlen eines Lesebandes ist aufgrund des geringen Umfangs noch verzeihbar. Die zwei vorhandenen Karten sind zwar ein netter Gimmick, aber eigentlich nicht nötig, wünschenswert wäre aber irgendeine Art von editorischer Begleitung in Form eines Vor oder Nachwortes

Fazit

Die Durdane Romane vereinen in sich alles, was typische Vance Romane ausmacht. Ob es nun exotische Schauplätze, ein nie enden wollender Fluss an Ideen oder der hervorragende Schreibstil ist. Gerade der Bruch im dritten Band sorgt dafür, dass man die Bände am Stück weg lesen kann. Eine uneingeschränkte Empfehlung!


Autor: Jack Vance

Titel: Der Anome/Die Roguskhoi/Die Asutra

Seiten: 201 / 210 / 188

Erscheinungsdatum: 1971 / 1972 / 1973

ISBN: 9783936922240

Verlag: Edition Andreas Irle

Übersetzer: Andreas Irle

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