Ein Exemplar von „Madame Bovary“ von Flaubert mit blauem Einband und auf dem Buchrücken sichtbarem Titel, aufrecht stehend auf einer Holzoberfläche.

Madame Bovary

von Gustave Flaubert


05.02.2021

  • Klassiker

Madame Bovary von Gustave Flaubert löste bei seiner Veröffentlichung (1856) einen großen Skandal aus. Den Autor führte es von der Anklagebank hin zu Weltruhm. Was war geschehen?

Eine verhängnisvolle Affäre

Der verwitwete Landarzt Charles Bovary heiratet die junge Emma Bovary. Diese ist wenig erfreut über den beruflichen Misserfolg ihres Mannes, der zu allem Überfluss auch noch bis spät in die Nacht beschäftigt ist. Auch die Lektüre von drittklassigen Schnulzen und etliche Spaziergänge schaffen keine Abhilfe. Es kommt, wie es kommen muss, es folgen mehrere Affären. Immer stärker verfängt sie sich in einem Netz aus Lügen und Schulden, aus dem es keinen Ausweg gibt.

Flaubert vor Gericht

Als Gustave Flaubert seinen Roman nach mehr als fünf Jahren veröffentlichte, waren Zensur und Kritik nicht weit. Bald fand er sich vor Gericht wieder und wurde wegen Verstoßes gegen Moral und Sittlichkeit angeklagt (Flaubert gewann). Man fürchtete, dass die Ehebrecherin Emma andere Frauen ermutigen würde, es ihr gleichzutun. Der Prozess machte den Roman mit einem Schlag zum meistgelesenen Werk Frankreichs.

Präzision auf jeder Seite

Madame Bovary gilt als einer der ersten Vertreter des literarischen Realismus. Flaubert brach mit vielen vorher üblichen Stilmitteln und Konventionen. Beispielsweise wechselte er zu einem personellen Erzähler und verzichtete auf persönliche Kommentare. Unser Autor gilt zudem als Malocher unter den Schriftstellern.

Jeder Satz, jedes Wort, jeder Buchstabe stand ununterbrochen auf dem Prüfstand. Er soll regelmäßig seine Sätze über die Seine gebrüllt haben, um sie zu perfektionieren. Diese Arbeit und das Streben nach Perfektion merkt man. Jeder Satz ist ein Genuss, jedes Wort hat einen Sinn, das Gespür für Rhythmus und Ton ist unnachahmlich.

Die Figur der Emma Bovary ist überraschend schwach. Na klar, man kann alles Mögliche hineinlesen. Affäre, Täterin, Opfer. Alles denkbar. Leider besitzt sie keine wirklich herausragende oder interessante Eigenschaft. Sie wird nicht unterdrückt, sie ist kein Opfer der Umstände. Ihr ist einfach nur langweilig. Das ist okay, aber auch erstaunlich wenig für eine so polarisierende Figur.

Wunderschöner Klassiker

Die Ausgabe aus dem Hanser Verlag kann überzeugen. Neben einem Leineneinband mitsamt Titelprägung gibt es ein Leseband, eine Fadenheftung und Dünndruckpapier. Der Anhang fällt sehr umfangreich aus. Neben einer Abschrift des Gerichtsprozesses weist er auf alle Stellen hin, die Flaubert streichen musste. Daneben finden wir einige Zeitzeugenberichte, darunter die berühmte Rezension von Charles Baudelaire. Die Übersetzung stammt von Elisabeth Edl.

Pro/Contra

Pro
  • Jedes Wort, jeder Satz ist einfach nur perfekt formuliert
  • Präzise und bissige Beobachtungen
  • Muss man gelesen haben
  • Lobenswerte Ausstattung und umfangreicher Anhang
Contra
  • Langweilige Hauptfigur

Fazit


Madame Bovary von Gustave Flaubert würde heute zu keiner Anklage mehr führen. Was bleibt, ist ein brillanter Stil. Zu Recht ein Klassiker.

autor: Gustave Flaubert

Titel: Madame Bovary

Seiten: 760

Erscheinungsdatum: 1880

Verlag: Hanser Verlag

ISBN: 9783446239944

Übersetzerin: Elisabeth Edl

illustrator: –

Reihe: Hanser Klassiker

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