Buch Frontalansicht Doyle Studie in Scharlachrot Zeichen der Vier

Arthur Conan Doyle – Eine Studie in Scharlachrot / Das Zeichen der Vier

Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes und Dr. Watson gehören wohl zu den bekanntesten Romanfiguren der Literaturgeschichte und bedürfen wohl keiner weiteren Vorstellung. Wie sich das Duo in der heutigen Zeit schlägt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Das berühmteste Detektiv-Duo der Welt

Während die Verfügbarkeit in Deutschland nie ein Problem war, fehlte es lange Zeit an einer wirklich schönen illustrierten Ausgabe. In diese Bresche sprang nun der Coppenrath Verlag und schickt sich allem Anschein nach an, eine Gesamtausgabe der Holmes Abenteuer herauszugeben – zumindest ist kürzlich (März 2022) der dritte Band erschienen. Der erste Sammelband umfasst die beiden Romane Eine Studie in Scharlachrot und Das Zeichen der Vier.

Die ersten Abenteuer von Holmes und Watson

Eine Studie in Scharlachrot (1887) schildert dabei das erste Aufeinandertreffen des ungleichen Duos, dass schon bald in einem ersten Fall münden soll. Eine Leiche wird in einem verlassenen Haus gefunden und der einzige Hinweis ist das an der Wand in Blut geschmierte Wort „Rache“. Während die Polizei natürlich im Dunkeln tappt, scheint Sherlock Holmes einen Plan zu haben …

Der zweite Roman Das Zeichen der Vier (1890) beginnt damit, dass Holmes und Watson von einer gewissen Miss Morstan – der zukünftigen Mrs. Watson – gebeten werden, ihren verschollenen Vater wiederzufinden. Die Spur führt sie bis ins tiefste Indien und offenbart die dunkelsten Seiten der Protagonisten.

Nachdem mich Arthur Conan Doyles Reisebericht Heute dreimal ins Polarmeer gefallen wieder angefixt hatte, war es nur eine Frage der Zeit, bis ich mich wieder seinen Werken zuwenden sollte. So besitze ich zwar die eine oder andere E-Book Ausgabe, aber für einen bibliophilen Leser stellt dies natürlich keine dauerhafte Lösung dar. Wie gerufen kam daher dieser Band in Form eines Weihnachtsgeschenks.

Watson als Chronist

Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei den beiden Romanen um die ersten Holmes-Abenteuer überhaupt, was uns die Gelegenheit gibt, die Geschichte der beiden Helden von Anfang an mitzuverfolgen. Die Geschehnisse verfolgen wir dabei meist aus der Perspektive von Dr. Watson, der erst kürzlich aus dem Afghanistankrieg zurückgekehrt ist. Auf der Suche nach einem Mitbewohner trifft er auf den freiberuflichen Detektiv Sherlock Holmes. Kurzerhand ziehen beide in die berühmte Baker Street 221b und der Rest ist Geschichte.

Dr. Watson dient in den Erzählungen Doyles vor allem als Vermittler und Chronist, weite Teile der Handlung erleben wir aus seiner Perspektive. An sich ist er eine recht blasse Figur – abgesehen von seinen medizinischen Kenntnissen besitzt er keinerlei herausragende Eigenschaften und er selbst greift in den seltensten Fällen aktiv ins Geschehen ein.

Eine Hauptfigur zwischen Genie und Wahnsinn

Sherlock Holmes dagegen ist ein schwieriger Charakter, der sich auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn bewegt. Er ist seinem Umfeld intellektuell und körperlich hoffnungslos überlegen – und das weiß er auch. Das macht ihn für sein Umfeld verständlicherweise zu einem unausstehlichen Zeitgenossen. Watson gehört zu den wenigen Menschen, zu denen er überhaupt eine dauerhafte und funktionierende Verbindung aufbauen kann. Seine Fähigkeiten als Detektiv stehen dabei außer Frage, es gibt kaum einen Fall, den er nicht lösen kann. Was er genau tut, dass kriegen wir Leser meist überhaupt nicht mit. Oft lässt er Watson für mehrere Stunden ahnungslos zurück, um anschießend eine erstaunliche Lösung präsentieren zu können.

Aber glücklicherweise ist auch er nicht unfehlbar. Während er in beinahe allen Bereichen, die im Entferntesten etwas mit der Verbrechensbekämpfung zu tun haben, ein unglaubliches Wissen vorzuweisen hat, weiß er von vielen anderen, meist alltäglichen Dingen überhaupt nichts. Bezeichnend dafür ist eine Szene, in der Watson Holmes das Sonnensystem erklärt, was dieser bestenfalls desinteressiert zur Kenntnis nimmt. Überraschend war für mich die Kokain- und Heroinsucht von Holmes, die in Großbritannien zu dieser Zeit wohl nicht unüblich war. Dieses Thema nimmt allerdings auch keinen großen Raum ein, sodass auch vorsichtige Eltern ihren Kindern diese Romane gefahrlos überlassen können.

Insgesamt bin ich der Meinung, dass diese zwei Charaktere nicht getrennt funktionieren können und gerade ihr Zusammenspiel den Reiz dieser Geschichten ausmacht. Insbesondere die Bodenständigkeit von Dr. Watson bildet einen idealen Kontrast zur überdrehten Darstellung von Sherlock Holmes und macht den einen oder anderen übertriebenen Abschnitt erträglich.

Joseph Bell als Vorbild

Inspiriert zu seinen Geschichten hatten Doyle zwei Faktoren. Zum einen wäre da der Mangel an ergiebigen Detektivgeschichten zu seiner Zeit. Doyle war frustriert von den zeitgenössischen Detektivgeschichten, in denen die Helden scheinbar aus dem nichts heraus ihre Fälle lösen konnten. Dem wollte er etwas entgegensetzten und fand Inspiration bei seinem ehemaligen Lehrer Joseph Bell. Diese Begegnung sollte der zweite entscheidende Faktor werden. Bell war seiner Zeit weit voraus und entwickelte erste Ansätze zur wissenschaftlichen Verbrechensbekämpfung – ein idealer Nährboden für Arthur Conan Doyles Hauptfigur.

Ein auffälliges Merkmal von Arthur Conan Doyles Geschichten ist die entschleunigte Handlung, die man in unserer schnelllebigen Zeit nicht mehr gewohnt ist. Während heutzutage ein Reiz auf den anderen folgt und wir nicht zur Ruhe kommen, tauchen wir in Doyles Romanen in eine völlig andere Zeit. Hier geht es nicht um den großen Knall, oft passiert sogar gar nichts. Man trifft sich, man unterhält sich und anschließend verschwindet Sherlock, um dem erstaunten Publikum die Lösung zu präsentieren. Das ist alles andere als langweilig, im Gegenteil. Es macht gerade den Reiz dieser Geschichten aus, Sherlocks brillanten Verstand zu folgen.

Schwache Passagen ohne die Hauptfiguren

Schwierig wird es, wenn weder Watson noch Holmes präsent sind. Gerade im ersten Teil gibt es einige Abschnitte, in denen beide fehlen und dort müssen wir feststellen, dass Arthur Conan Doyle – zumindest in dieser Übersetzung – kein herausragender Erzähler ist. Er ist sicher nicht schlecht, sonderlich viel zu kritisieren gibt es auch in diesen Abschnitten nicht. Nur macht sich schnell ein Gefühl von Langeweile breit. Trotz interessanter Ausgangslage schafft Doyle es einfach nicht, den Leser in diese Geschichte zu ziehen, was wohl an unfassbar langen und bedeutungslosen Sätzen, gleich dem, den ihr gerade vergeblich zu folgen versucht, liegen mag. Die Geschichten leben nun mal von ihren Hauptfiguren und umso härter wirkt sich der Verlust der beiden Hauptfiguren aus – genauso, wie sich der Verlust von Starspielern auf das Spiel einer Sportmannschaft auswirkt.

Alles in allem handelt es sich bei diesem beiden Romanen um einen gelungenen Einstieg in die Welt von Sherlock Holmes. Die Geschichten haben die Zeit gut überstanden und bieten gute Unterhaltung für jeden, der keine dramatischen Actionszenen braucht und Detektivgeschichten etwas abgewinnen kann.

Eine wunderschöne Geschenkausgabe

Die Ausgabe des Coppenrath Verlags begeistert vor allem durch viele kleine Details. Das fängt schon beim klassischen Buchrücken an und setzt sich im Inneren des Buches fort. Dort finden wir zahlreiche, unterschiedlich große Illustrationen und 11 Extras, die entweder Hintergründe erläutern oder einfach nur den Geist der damaligen Zeit transportieren sollen. Ich bin kein großer Freund solcher Gimmicks, aber immerhin zeigen sie, wie viel Mühe man sich bei dieser Ausgabe gegeben hat. Da es sich um eine Geschenkausgabe für den Massenmarkt handelt, wurde bei der Qualität der Materialien an der einen oder anderen Stelle gespart, aber immerhin müssen wir weder auf ein Leseband, noch auf eine Fadenheftung verzichten.

Im Anhang finden sich noch einige mehr oder wenige hilfreiche Anmerkungen und ein kurzer Text über das Leben des Autors. Die Übersetzung stammt von Margarete Jacobi, wurde allerdings von Claudia Pastors überarbeitet. In was für einem Umfang eine Bearbeitung stattgefunden hat, ist leider nicht ersichtlich.

Fazit

Insgesamt hält man als Leser eine wunderschöne Ausgabe in den Händen, die jeden Cent wert ist. Wer noch keinen Sherlock Holmes bei sich zu Hause stehen hat oder ein schönes Buch verschenken möchte, kann bedenkenlos zur Coppenrath Ausgabe greifen. Die Qualität der Geschichten steht sowieso außer Frage.


Autor: Arthur Conan Doyle

Titel: Eine Studie in Scharlachrot / Das Zeichen der Vier

Seiten: 320

Erscheinungsdatum: 1887/1890

ISBN: 9783649639008

Verlag: Coppenrath Verlag

Übersetzerin: Margarete Jacobi

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