
Eine Studie in Scharlachrot / Das Zeichen der Vier
von Arthur Conan Doyle
15.04.2022
- Klassiker
Arthur Conan Doyles Sherlock Holmes und Dr. Watson gehören zu den bekanntesten Romanfiguren der Literaturgeschichte. Mit Eine Studie in Scharlachrot und Das Zeichen der Vier versammelt dieser Band die ersten beiden Romane. Wie schlägt sich das Duo in der heutigen Zeit?
Erste Abenteuer
Eine Studie in Scharlachrot (1887) schildert das erste Aufeinandertreffen des ungleichen Duos, das in einem ersten Fall mündet. Eine Leiche wird in einem verlassenen Haus gefunden. Der einzige Hinweis ist das an der Wand in Blut geschmierte Wort „Rache“. Während die Polizei im Dunkeln tappt, scheint Sherlock Holmes einen Plan zu haben.
Das Zeichen der Vier (1890) beginnt damit, dass Holmes und Watson von einer Miss Morstan – der zukünftigen Mrs. Watson – gebeten werden, ihren verschollenen Vater wiederzufinden. Die Spur führt sie bis ins tiefste Indien und offenbart die dunkelsten Seiten der Protagonisten.
Watson als Chronist
Die Geschehnisse verfolgen wir meist aus der Perspektive von Dr. Watson, der erst kürzlich aus dem Afghanistankrieg zurückgekehrt ist. Auf der Suche nach einem Mitbewohner trifft er auf den Detektiv Sherlock Holmes. Kurz darauf ziehen sie in die Baker Street 221b und der Rest ist Geschichte.
Dr. Watson dient in den Erzählungen Doyles vor allem als Vermittler und Chronist. Weite Teile der Handlung erleben wir aus seiner Perspektive. An sich ist er eine recht blasse Figur. Abgesehen von seinen medizinischen Kenntnissen besitzt er keinerlei herausragende Eigenschaften und greift kaum aktiv in die Ermittlungen ein.
Hauptfigur zwischen Genie und Wahnsinn
Sherlock Holmes dagegen bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn. Er ist seinem Umfeld hoffnungslos überlegen – und das weiß er auch. Das macht ihn zu einem unausstehlichen Zeitgenossen. Als Detektiv gibt es kaum einen Fall, den er nicht lösen kann. Was er genau tut, das bekommen wir meist nicht mit. Oft lässt er Watson ahnungslos zurück, um anschließend eine Lösung präsentieren zu können.
Glücklicherweise ist auch er nicht unfehlbar. Während er in vielen Bereichen ein unglaubliches Wissen vorzuweisen hat, weiß er von alltäglichen Dingen überhaupt nichts. Überraschend war die Kokain- und Heroinsucht von Holmes, die in Großbritannien zu dieser Zeit wohl nicht unüblich war. Dieses Thema nimmt freilich keinen großen Raum ein.
Joseph Bell als Vorbild
Gerade das Zusammenspiel der ungleichen Charaktere Holmes und Watson macht den Reiz dieser Geschichten aus. Insbesondere die Bodenständigkeit von Watson bildet einen Kontrast zur überdrehten Darstellung von Holmes und macht überzeichnete Abschnitte erst erträglich.
Inspiriert hatte Doyle der Mangel an ergiebigen Detektivgeschichten. Er war frustriert von den zeitgenössischen Detektiven, die scheinbar aus dem Nichts heraus ihre Fälle lösen konnten. Dem wollte er etwas entgegensetzen und fand Inspiration bei seinem ehemaligen Lehrer Joseph Bell. Bell war seiner Zeit weit voraus und entwickelte erste Ansätze zur wissenschaftlichen Verbrechensbekämpfung – ein idealer Nährboden für Sherlock Holmes.
Ein weiteres Merkmal der Geschichten ist die entschleunigte Handlung. Während heutzutage ein Reiz auf den anderen folgt, tauchen wir hier in eine vollkommen andere Zeit ein. Es geht nicht um den großen Knall, oft passiert sogar gar nichts. Man trifft sich, man unterhält sich und anschließend verschwindet Sherlock, um dem erstaunten Publikum die Lösung zu präsentieren. Das ist alles andere als langweilig, im Gegenteil. Es macht gerade den Reiz dieser Geschichten aus, Sherlocks brillantem Verstand zu folgen.
Schwache Zwischenpassagen
Schwierig wird es, wenn weder Watson noch Holmes präsent sind. Gerade im ersten Teil gibt es einige Abschnitte, in denen beide fehlen. Und dort kann Arthur Conan Doyle nicht gerade glänzen. Trotz interessanter Ausgangslage schafft er es nicht, den Leser in diese Geschichte zu ziehen. Verstärkt wird dies durch unfassbar lange und bedeutungslose Satzkonstruktionen. Die Geschichten leben nun mal von ihren Hauptfiguren und umso härter wirkt sich ihr Ausfall aus.
Was bleibt?
Eine Studie in Scharlachrot und Das Zeichen der Vier von Arthur Conan Doyle stellen einen gelungenen Einstieg in die Welt von Sherlock Holmes dar. Die Geschichten haben die Zeit gut überstanden und weisen nur wenige Längen auf. Gute Unterhaltung für jeden, der keine dramatischen Actionszenen benötigt und Detektivgeschichten etwas abgewinnen kann.
Wunderschöne Geschenkausgabe
Die Ausgabe des Coppenrath Verlags begeistert durch viele kleine Details. Das fängt beim klassischen Buchrücken an und setzt sich im Inneren fort. Dort finden wir zahlreiche Illustrationen und elf Extras, die die Hintergründe erläutern oder den Zeitgeist vermitteln. Freuen dürfen wir uns über ein Leseband und eine Fadenheftung.
Im Anhang finden sich noch Anmerkungen und ein kurzer Text über das Leben des Autors. Die Übersetzung stammt von Margarete Jacobi und wurde von Claudia Pastors überarbeitet. In welchem Umfang die Bearbeitung stattfand, ist bedauerlicherweise nicht ersichtlich.
Werke von Arthur Conan Doyle
Bibliographie
Pro/Contra
Pro
- Mitreißende Hauptfiguren
- Die entschleunigte Handlung stellt einen angenehmen Kontrast zu modernen Krimis dar
- Wunderschöne Geschenkausgabe
Contra
- Ohne Holmes und Watson handelt es sich nur noch um gewöhnliche Geschichten
Fazit
Insgesamt hält man eine wunderschöne Ausgabe in den Händen. Wer noch keinen Sherlock Holmes bei sich zu Hause stehen hat oder ein schönes Buch verschenken möchte, kann bedenkenlos zur Coppenrath-Ausgabe greifen. Die Qualität der Geschichten steht ohnehin außer Frage.
autor: Arthur Conan Doyle
Titel: Eine Studie in Scharlachrot / Das Zeichen der Vier
Seiten: 320
Erscheinungsdatum: 1887/1890
Verlag: Coppenrath Verlag
ISBN: 9783649639008
Übersetzerin: Claudia Pastors
illustratorin: Stefanie Bartsch
Reihe: Sherlock Holmes (1)









