
Wintergeschichten
von Anton Cechov
26.11.2021
- Klassiker
In Wintergeschichten versammelt der Diogenes Verlag – welch Überraschung – Anton Cechovs bekannteste Wintergeschichten.
Die perfekte Sammlung für die kalte Jahreszeit
Wir starten mit der Geschichte Knaben. Zwei Schüler träumen von großen Abenteuern und sind bereit, alles dafür aufzugeben. In Auf Dienstreise ist ein Richter in der russischen Provinz gefangen und erlebt die Widersprüchlichkeit seines Weltbildes. Ein Weiberreich stellt mit 58 Seiten die mit Abstand längste Geschichte des Bandes dar. Die junge Anna Akimovna stieg durch eine unverhoffte Erbschaft zur Fabrikbesitzerin auf.
Seitdem ist sie gefangen zwischen ihrer Sehnsucht nach einem einfachen Leben und den Pflichten und Privilegien als Millionärin. Vanjka ist eine bitterböse Geschichte über menschliche Abgründe. Die Geschichte Neujahrsfolter schildert die Leiden eines Ehemannes, der von seiner Frau zu zahlreichen Neujahrsbesuchen gezwungen wird. Die Dame mit dem Hündchen bildet den Abschluss und schildert, wie die zwei Protagonisten nach einer anfänglichen Affäre die wahre Liebe entdecken.
Unwahrscheinlicher Durchbruch
Anton Cechov wurde 1860 in eine ärmliche Familie geboren. Sein Vater, ein ehemaliger Leibeigener, versuchte vergeblich, seine Familie als Kaufmann über Wasser zu halten. Cechovs Liebe galt vor allem dem Theater und der Literatur – dem einzigen Ausweg aus einem entbehrungsreichen Leben. Nachdem seine Familie vor ihren Gläubigern nach Moskau floh, musste er seinen Lebensunterhalt mit Nachhilfestunden bestreiten.
Dennoch gelang es ihm, Medizin zu studieren. Er veröffentlichte – zunächst unter Pseudonym und mit durchwachsenem Erfolg – Theaterstücke und Kurzgeschichten, um sich und seine Familie zu ernähren. Schließlich wurde er so erfolgreich, dass er den Arztberuf nur noch nebenbei ausübte. Bis zu seinem Tod durch Tuberkulose veröffentlichte er Hunderte Kurzgeschichten und Theaterstücke.
Meisterwerke vom Besten seines Faches
In diesem Band sind 25 Geschichten versammelt, die in der kalten Jahreshälfte spielen. Sie stammen aus seinem Früh- und Spätwerk (1882–1899). Anton Cechov ist ein kreativer Schriftsteller, der in dieser Sammlung sein Können beweist. Ob es nun skizzenhafte Notizen oder Novellen sind: Er gilt nicht ohne Grund als Meister seiner Zunft. Häufig verwendete Motive sind die Liebe, Finanzen, Gesundheit oder gesellschaftliche Probleme.
Seine Protagonisten stammen aus unterschiedlichen Milieus und werden mit Problemen konfrontiert, für die sie keine Lösung finden. Der Erzählton ist wechselhaft. Manchmal handelt es sich um witzige Geschichten, wenige Seiten später bleibt einem das Lachen dann im Halse stecken. Unser Autor verwendet eine locker-leichte und beinahe schon skizzenhafte Prosa. Cechov fokussiert sich, im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, auf das Wesentliche, bei ihm benötigt man zum Textverständnis kein Glossar.
Stimmige Ausgabe
Die Ausgabe des Diogenes Verlags ist in dunkelblauem Leinen gebunden und besitzt ein geprägtes Titelschild. Den Schutzumschlag ziert ein passendes Gemälde von Eyvind Earle und kleine hellblaue Schneeflocken runden die stimmige Gestaltung ab. Eine Fadenheftung darf man bei dem Preis nicht erwarten. Schade ist lediglich, dass wir auf ein Leseband verzichten müssen. Auch fehlt ein Anhang. Ein kleines Vor- oder Nachwort wäre angesichts der Bedeutung des Autors angemessen gewesen. Die Übersetzung stammt vom legendären Peter Urban.
Bibliographie
Werke von Anton Cechov
Pro/Contra
Pro
- Cechovs skizzenhafter Erzählstil verleiht seinen Geschichten zeitlosen Charakter
- Vielfältige Themen und Erzähltöne
Contra
- Ein Anhang hätte den Band noch aufgewertet
Fazit
Die Wintergeschichten von Anton Cechov bieten gerade in den kalten Wintermonaten große Unterhaltung vom Meister der Kurzgeschichten.
autor: Anton Cechov
Titel: Wintergeschichten
Seiten: 266
Erscheinungsdatum: 1882 – 1899
Verlag: Diogenes Verlag
ISBN: 9783257070767
Übersetzer: Peter Urban
illustratoren: –









