Richard und Billy Chizmar – Widows Point

Richard und Billy Chizmar – Widows Point

Widows Point ist eine Horror Novelle des Vater-Sohn Gespanns Chizmar. Insbesondere Richard Chizmar gilt als feste Größe in der amerikanischen Phantastik Szene, während er hierzulande nur wenig Beachtung findet.

Ein Wochenende in einem verfluchtem Leuchtturm

Widows Point ist ein Leuchtturm, um den sich unzählige Mythen und Gerüchte ranken. Im Laufe der Jahrzehnte starben oder verschwanden im Turm oder in unmittelbarer Nähe mehrere Dutzend Menschen. Obwohl der Turm von den Eigentümern abgeriegelt wurde, gelingt es dem bekannten Schriftsteller Thomas Livingston, ein Wochenende im Turm verbringen zu dürfen. Die Zeit will er nutzen, um Inspiration für sein neustes Werk zu sammeln, doch schon nach kurzer Zeit soll er seine Entscheidung bereuen …

Keine Neuerfindung des Genres …

Schon beim Überfliegen der Inhaltsangabe wird klar: Die Chizmars bedienen sich zahlreicher Klischees und lassen so gut wie nichts aus, ob es nun das Geisterhausmotiv, der verzweifelte Schriftsteller oder (mittlerweile) auch die Erzählperspektive ist. Erzählt wird die Geschichte in Form von Video- oder Diktiergerät aufnahmen des Protagonisten Thomas Livingston. Auch wenn diese Form des Erzählens an sich nicht neu ist, wird sie von den Chizmars lebendig umgesetzt. Die Länge der Abschnitte variiert, Livingston ist ein spannender Erzähler und der großzügige Gebrauch der freien Zeichensetzung lässt die gesamte Erzählung sehr dynamisch wirken. Dieses Vorgehen hätte leicht schief gehen können, doch in diesem Fall ist alles stimmig.

… aber eine gelungene Interpretation

Die wichtigste Frage bei einer Horror-Geschichte ist immer, wie hoch der Angst/Grusel Faktor ist. Natürlich ist Angst auch immer eine individuelle Sache und die eigene Einstellung beim Lesen spielt eine große Rolle, doch es gibt durchaus auch objektive Faktoren. Zweifelsohne sind alle Bausteine der Novelle bekannt und auch der Verlauf der Handlung ist weitestgehend vorhersehbar. Man kann den Autoren auch ankreiden, dass sie etwas zu dick aufgetragen haben. Gerade zu Beginn der Geschichte, während Thomas Livingston die Hintergrundgeschichte des Turms erzählt, vermischen sie zu viele bekannte Motive auf zu wenigen Seiten. Nichtsdestotrotz zeigt Widows Point auf den knapp hundert Seiten seine Wirkung. Gerade das Verschwimmen von Realität und dem Übernatürlichen, der Kontrollverlust Livingstons ist unterhaltsam und nachvollziehbar dargestellt und fesselt den Leser bis zum Schluss. Dazu trägt sicherlich auch die Kürze der Geschichte bei, die sich perfekt dafür eignet, am Stück gelesen zu werden und so ihre volle Wirkung entfalten kann.

Amerikanisches Format

Widows Point ist der erste Band der Cementery Dance Germany Reihe. Cementery Dance ist eigentlich ein amerikanischer Kleinverlag, der viele bekannte amerikanische Größen in Sammlerausgaben veröffentlicht. Der Buchheim Verlag veröffentlicht nun einen deutschen Ableger dieser Reihe und versucht die hochwertige Gestaltung beizubehalten. Jedes Buch ist streng limitiert, wird nicht nachgedruckt und ist auch nicht im regulären Handel erhältlich. Das Format ist auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich und entspricht den etwas größeren amerikanischen Ausgaben, kann aber auch durch eine Fadenheftung, ein Leseband und Prägungen am Buchdeckel begeistern. Zusätzlich finden sich im Inneren zahlreiche stimmige Illustrationen von Glenn Chadbourne. Für den Preis würde ich mir zwar eine klassische Ausstattung mit Leinen wünschen, aber auch so bekommt man als bibliophiler Leser viel Buch für sein Geld.

Fazit

Widows Point erfindet das Genre nicht neu, setzt aber Bewährtes gelungen um. Ein solide Geistergeschichte, die für wenige Stunden unterhält und leichten Gruselfaktor besitzt!


Autor: Richard und Billy Chizmar

Titel: Widows Point

Seiten: 127

Erscheinungsdatum: 2018

ISBN:

Verlag: Buchheim Verlag

Übersetzer: Christian Jentzsch

Illustrator: Glenn Chadbourne

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