
Widows Point
von Richard und Billy Chizmar
14.01.2022
- Horror
Widows Point ist eine Horrornovelle des Vater-Sohn-Gespanns Chizmar. Insbesondere Richard Chizmar gilt als feste Größe in der amerikanischen Phantastik-Szene. Doch kann er sich auch hierzulande durchsetzen?
Ein Wochenende in einem verfluchten Leuchtturm
Widows Point ist ein Leuchtturm, um den sich unzählige Mythen und Gerüchte ranken. Im Laufe der Jahrzehnte starben oder verschwanden mehrere Dutzend Menschen. Obwohl er verriegelt wurde, gelingt es dem Schriftsteller Thomas Livingston, ein Wochenende im Turm verbringen zu dürfen. Die Zeit will er nutzen, um Inspirationen zu sammeln – eine folgenschwere Entscheidung.
Keine Neuerfindung
Ob es das Geisterhausmotiv, der verzweifelte Schriftsteller oder die Erzählperspektive ist: Die Chizmars bedienen zahlreiche Klischees und lassen so gut wie nichts aus. Erzählt wird die Geschichte in Form von Video- oder Diktiergerätemitschnitten. Auch wenn diese Form des Erzählens nicht neu ist, wird sie von den Chizmars immerhin lebendig umgesetzt. Die Länge der Abschnitte variiert, Livingston ist ein spannender Erzähler und der großzügige Gebrauch der freien Zeichensetzung lässt alles dynamisch wirken.
Aber eine gelungene Interpretation
Eine wichtige Frage bei Horrorgeschichten ist, wie hoch der Angst-/Gruselfaktor ist. Negativ wirkt sich zunächst aus, dass die Bausteine der Novelle bekannt sind. Auch der Verlauf der Handlung ist weitestgehend vorhersehbar. Und gerade zu Beginn haben sie etwas zu dick aufgetragen.
Insbesondere die Hintergrundgeschichte des Turms vermischt zu viele bekannte Motive auf zu wenigen Seiten. Dennoch funktioniert Widows Point. Gerade das Verschwimmen von Realität und Vorstellung und der Kontrollverlust werden unterhaltsam und nachvollziehbar dargestellt. Bis zum Schluss fesselt uns diese Geschichte.
Amerikanisches Format
Die mir vorliegende Ausgabe stammt aus dem Buchheim-Verlag. Dieser versucht mit der Cemetery-Dance-Reihe, Ableger amerikanischer Kleinverlage in hochwertiger Gestaltung zu etablieren. Das Format entspricht den etwas größeren amerikanischen Ausgaben. Neben einer Fadenheftung begeistern ein Leseband und die Prägungen am Buchdeckel. Zusätzlich finden sich im Inneren zahlreiche stimmige Illustrationen von Glenn Chadbourne. Die Übersetzung stammt von Christian Jentzsch.
Pro/Contra
Pro
- Altbekanntes wird ansprechend verpackt
- Spannend bis zum Schluss
Contra
- Innovationen darf man nicht erwarten
Fazit
Widows Point von Richard und Billy Chizmar erfindet das Genre nicht neu, setzt aber Altbekanntes gelungen um. Eine solide Geistergeschichte, die für wenige Stunden unterhält und leichten Gruselfaktor besitzt!
autor: Richard und Billy Chizmar
Titel: Widows Point
Seiten: 127
Erscheinungsdatum: 2018
Verlag: Buchheim Verlag
ISBN:
Übersetzer: Christian Jentzsch
illustrator: Glenn Chadbourne






