Eine Nahaufnahme des Buchrückens eines Buches mit dem Titel „Maschinen wie ich“ von Ian McEwan, mit blauem Einband, vor einer Holzoberfläche.

Maschinen wie Ich

von Ian McEwan


12.02.2021

  • Science-Fiction

Der britische Schriftsteller Ian McEwan wagt sich mit Maschinen wie Ich zum ersten Mal an einen Science-Fiction-Roman. Es geht um Roboter und ihre Auswirkungen auf unser Leben. Kann das gut gehen?

Alternative Vergangenheit

Ian McEwan versetzt uns in eine alternative Vergangenheit. In seiner Version unserer Erde verweigerte Alan Turing 1954 die ihm aufgezwungene Hormontherapie. Statt eines Suizids trieb er die technologische Entwicklung mit großen Schritten voran. So gehören selbstfahrende Autos und Handys längst zum Alltag, als 1982 eine erste Serie menschenähnlicher Roboter auf den Markt kommt.

Einen dieser Roboter kauft der ziellose Charlie Freund, der sich von beruflichem Misserfolg zu Misserfolg hangelt. Eine unerwartete Erbschaft ermöglicht ihm dennoch den Kauf, und gemeinsam mit seiner Freundin Miranda aktiviert er den Roboter Adam. Schon bald muss er feststellen, dass Adam einem Menschen ähnlicher ist als gedacht und sein Privatleben ins Chaos stürzt.

Unklare Grenzen

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Maschinen und Maschinendenken unsere Vorstellungen von Moral und Gesetz beeinflussen. Um diese Frage zu ergründen, setzt der Autor seine Charaktere allen erdenklichen Situationen aus. Zu Beginn hält sich Adam streng an seine einprogrammierten Prinzipien. Doch schnell ergeben sich Zweifel. 

Zum Bruch kommt es, als sich Adam in Miranda verliebt. Handelt es sich bei einer Maschine mit Gefühlen noch um eine Maschine oder doch um ein Lebewesen? Und wer kann und darf das entscheiden? Endgültig geklärt wird keine Frage. Der Autor lädt durch das offene Ende ein, sich selbst Gedanken über diese spannenden Themen zu machen.

Bemühter Weltenaufbau

Der weitere Weltenaufbau wirkt oft recht bemüht. Viele alternative Entwicklungen erinnern an die britische Gegenwart, sind aber oft überflüssig und bringen die Handlung nicht wirklich voran. Dafür entschädigen McEwans handwerkliche Fähigkeiten. Trotz aller möglichen Exkurse liest sich der Roman angenehm schnell. Er reiht Nebensatz an Nebensatz und verliert dennoch niemals den Faden. 

Unter der Ich-Perspektive leiden vor allem die Nebenfiguren, die allesamt blass und konstruiert bleiben. Erschwerend kommt hinzu, dass die Motivation und die Hintergrundgeschichte der Hauptfigur Charlie Freund unglaubwürdig wirken. Hier hätte eine gründlichere Recherche Abhilfe schaffen können.

Ordentliches Hardcover

Meine Ausgabe aus dem Diogenes Verlag ist handwerklich in Ordnung. Freuen dürfen wir uns über einen dunkelblauen Leineneinband und ein Titelschild mit Goldprägung. Bedauerlicherweise gibt es weder ein Leseband noch Zusatzmaterial. Die Übersetzung stammt von Bernhard Robben.

Pro/Contra

Pro
  • Handwerklich solide
  • Interessantes Szenario
Contra
  • Unsympathische Hauptfigur
  • McEwan verliert sich immer wieder in Nebenschauplätzen

Fazit


Maschinen wie Ich von Ian McEwan ist ein inhaltlich solider und handwerklich guter Roman. Leider klingt alles in der Theorie ein Stück besser als in der Umsetzung.

autor: Ian McEwan

Titel: Maschinen wie Ich

Seiten: 416

Erscheinungsdatum: 2019

Verlag: Diogenes Verlag

ISBN: 9783257070682

Übersetzer: Bernhard Robben

illustrator: –

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