Ein Buch mit dem Titel „Die Brautleute“ von Alessandro Manzoni, aufrecht stehend auf einer Holzoberfläche.

Die Brautleute

von Alessandro Manzoni


16.04.2021

  • Klassiker

Die Brautleute (Die Verlobten) von Alessandro Manzoni gehört zu den wichtigsten Romanen Italiens. Grund genug, sich das Buch einmal näher anzuschauen.

Liebe und Flucht

1628, Italien: Der Seidenspinner Renzo und seine Verlobte Lucia stehen kurz vor ihrer Trauung, als der Adelige Don Rodrigo ein Auge auf Lucia wirft. Das junge Paar wird auf der Flucht ins Ausland getrennt. Lucia flüchtet zunächst in ein Kloster, Renzo gerät mitten in den Mailänder Brotaufstand und wird als vermeintlicher Revolutionär gejagt. Erst die große Mailänder Pest im Jahre 1630 soll die beiden wieder zusammenbringen.

Klassiker der italienischen Literatur

Alessandro Manzonis leistete mit diesem Werk einen wichtigen Beitrag zur nationalen Einheit Italiens. 1827 war Italien noch in viele kleinere Staaten mit unterschiedlichen Sprachen gespalten. Doch dieser Roman erlangte eine unverhoffte Popularität, schon im ersten Jahr gab es unzählige Raubdrucke. Manzoni ergriff die Gelegenheit und übersetzte sein Werk in die toskanische Hochsprache. Die Wirkung lässt sich am ehesten mit der Luther-Übersetzung in Deutschland vergleichen.

Filmische Erzählweise

Manzonis Schreibstil ist überraschend modern und lässt die gut achthundert Seiten Handlung wie im Flug vergehen. Er wählt dazu einen filmischen Ansatz: Seine Szenen beginnen mit detaillierten Beschreibungen der Umgebung, widmen sich dann den Figuren, um später nahtlos in die Handlung überzugehen. Die Beschreibungen beschränken sich auf das Minimum, nur selten kommt es zu Ausschweifungen. 

Manzoni führt uns mit einem subtil ironischen Unterton durch das Geschehen. Die Geschichte der Brautleute bildet nur den groben Rahmen. Wenn nötig, dann schildert unser Autor das Innenleben seiner Figuren, gerne springt er innerhalb einer Szene hin und her. Mehr als einmal begegnen wir einer Person, deren ganzes Leben anschließend vor uns ausgebreitet wird.

Die Perspektivwechsel sorgen für Abwechslung und ermöglichen es, das ganze Panorama der italienischen Gesellschaft zu erblicken. Da fallen die eindimensionalen und statischen Figuren auch nicht sonderlich ins Gewicht. Dafür steckt der Roman voller großartiger Szenen, man denke nur an die versuchte Trauung oder die Kutschfahrt von Antonio Ferrers während der Brotunruhen.

Wunderschöne Dünndruckausgabe

Die Ausgabe des Hanser Verlags bietet den gewohnt hohen Klassiker-Standard. Die Dünndruckausgabe ist in Leinen gebunden und bietet neben der obligatorischen Fadenheftung natürlich ein Titelschild und ein Leseband. Das Vorsatzpapier besteht aus einer Karte, die das Herzogtum Mailand im Jahre 1620 darstellt. Der Übersetzer Burkhart Kroeber steuerte ein kurzes Nachwort und einen hilfreichen Anmerkungsapparat bei.

Pro/Contra

Pro
  • Filmische Erzählweise sorgt für ein hohes Erzähltempo
  • Subtil-ironischer Erzähler
  • Großartige Szenen
  • Edles Klassikergewand
Contra
  • Eindimensionale Charaktere

Fazit


Die Brautleute von Alessandro Manzoni ist ein überraschend moderner Roman mit vielen beeindruckenden Passagen. Ein Werk, das zu Recht die Jahrhunderte überdauerte.

autor: Alessandro Manzoni

Titel: Die Brautleute

Seiten: 920

Erscheinungsdatum: 1827

Verlag: Hanser Verlag

ISBN: 9783446198746

Übersetzer: Burkhart Kroeber

illustratoren: –

Reihe: Hanser Klassiker

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