
Die Reise mit der Snark
von Jack London
29.10.2021
- Klassiker
- ·
- Maritime Literatur
1906 beschloss Jack London, mit einem eigenen Schiff die Welt zu bereisen. Er konnte noch nicht ahnen, was für Probleme auf ihn zukommen würden. In Die Reise mit der Snark gewährt er episodenhafte Einblicke in seine gescheiterte Weltreise.
Vom Pech verfolgt
1906 kann Jack London nach finanziell schwierigen Jahren große Erfolge feiern. Aus diesem Grund plant er eine siebenjährige Weltumrundung und lässt die Snark bauen. Doch von Anfang an steht die Reise unter keinem guten Stern. Aus veranschlagten 7000 Dollar werden mehr als 30.000 Dollar und die Fertigstellung verzögert sich. Nach einem Jahr reicht es unserem Autor: Er segelt (mit mehr Glück als Verstand) mit der baufälligen Snark Richtung Honolulu und lässt sie dort notdürftig herrichten.
Der fünfmonatige Aufenthalt gehört zu den wenigen Höhepunkten der Reise. Die Südseeinseln, ein Hauptziel der Reise, sind aufgrund der Kolonisierung ein Schatten ihrer selbst. Überall herrschen Gier, Neid und Missgunst. Auch auf See verlässt die Snark das Unglück nicht: So gut wie jedes Crewmitglied erweist sich als untauglich und muss ausgetauscht werden. Nach zwei Jahren gibt London auf, verkauft die Snark und kehrt nach Amerika zurück.
Noch nie war Scheitern schöner
Jack London wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf und verbrachte weite Teile seiner Jugend mit harter körperlicher Arbeit. Im Selbststudium eignete er sich umfangreiche Literaturkenntnisse an und beschloss, Schriftsteller zu werden. Die Romane Ruf der Wildnis (1903) und Der Seewolf (1904) brachten ihm enorme finanzielle Mittel ein, die er etwa zum Bau der Snark oder einer ökologischen Ranch nutzte.
Die Reise der Snark sollte eine Reise des Scheiterns werden. Betrüger und Krankheiten legten ihr immer wieder Steine in den Weg. Doch von dieser psychischen und physischen Belastung merkt die geneigte Leserin nichts. Mit viel Humor schildert der Autor alle Widrigkeiten, die sich auf der Reise auftaten. Er verfällt dabei nie in einen bitteren Tonfall, sondern wählt einen humorvollen und ironischen Ansatz, der an Mark Twain erinnert.
Jack London verkaufte seine Reiseberichte kapitelweise an Zeitungen. Dadurch erklärt sich auch der episodische Aufbau. Die Lektüre dieses Reiseberichts ist ein großes Vergnügen. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass er unvollständig ist, zu hell scheint London Stern. Und in der Tat verschweigt er sein Alkoholproblem, das während der Reise immer wieder für Probleme sorgte. Seine Frau Charmian veröffentlichte noch drei weitere Bände über die Reise, die leider nie den Weg ins Deutsche fanden.
Eine nach allen Regeln der Buchkunst gestaltete Ausgabe
Die Ausgabe des Mare Verlags kann vollumfänglich überzeugen. So begeistert der Schuber durch ein minimalistisch anmutendes Design. Weiterhin dürfen wir uns über einen geprägten Leineneinband, die herausragende Papierqualität, ein Leseband und eine Fadenheftung freuen. Im Vorsatz finden wir eine Karte, die alle von der Snark angesteuerten Inseln umfasst. Die Anmerkungen sind im Text integriert.
Im Anhang finden wir die kurzen Reiseberichte Freude am Sportsegeln und Die Toten kehren nie zurück, in denen Jack London von seinen Erlebnissen als Sportsegler und Matrose berichtet. Beide Erzählungen ergänzen den Reisebericht hervorragend. Das Nachwort des Übersetzers Alexander Pechmann hätte gerne umfangreicher ausfallen dürfen. Ergänzt wird der Band mit einem hilfreichen Glossar nautischer Fachbegriffe.
Pro/Contra
Pro
- Humorvoller und unterhaltsamer Reisebericht
- Noch nie war Scheitern schöner!
- Erinnert stellenweise an Mark Twain
- Edle Buchgestaltung
Contra
- London nimmt es mit der Wahrheit nicht immer so genau
Fazit
Die Reise mit der Snark von Jack London ist eine mit viel Humor geschilderte Reise des Scheiterns. Gerade dadurch, dass sich der Autor mit keiner Zeile ernst nimmt, bietet sie großes Lesevergnügen!
autor: Jack London
Titel: Die Reise mit der Snark
Seiten: 352
Erscheinungsdatum: 1913
Verlag: Mare Verlag
ISBN: 9783866482449
Übersetzer: Alexander Pechmann
illustratoren: –







