Jack London - Die Reise mit der Snark

Jack London – Die Reise mit der Snark

Als sich Jack London 1906 entschloss, mit einem eigenem Schiff die Welt zu bereisen, ahnte er noch nicht, was für Probleme auf ihn zukommen sollten. In Die Reise mit der Snark gewährt er episodenhafte Einblicke in seine gescheiterte Weltreise.

Vom Pech verfolgt

Im Jahre 1906 kann Jack London nach vielen finanziell schwierigen Jahren große Erfolge mit seinen Büchern feiern. Finanziell gut ausgestattet plant er mit seiner Frau Charmian eine siebenjährige Weltreise und lässt eigens für diesen Zweck die Snark bauen. Doch von Anfang an steht die Reise unter keinem guten Stern. Aus den veranschlagten 7000 Dollar Baukosten werden schnell mehr als 30.000 Dollar, eine Kostenexplosion, die nur durch Londons hohes Schreibpensum finanziert werden kann. Nicht nur die Kosten steigen, auch die Fertigstellung verzögert sich immer weiter – nicht zuletzt dadurch, dass sich Londons Bauaufseher lieber betrank als seiner Aufgabe nachzugehen. Im April 1907 reicht es Jack London und er segelt mit der immer noch baufälligen Snark Richtung Honolulu. Mit mehr Glück als Verstand erreichen sie ihr Ziel und während sich Jack London auf Hawaii mit dem Surfen vergnügt und die Leprakolonie auf der Molokai Insel besucht, lässt er die Snark notdürftig fertigstellen.

Der fünfmonatige Aufenthalt in Hawaii gehört zu den wenigen Höhepunkten der Reise, das Unglück soll der Snark immer auf den Fersen bleiben. Jack London war ein großer Bewunderer von Robert Louis Stevenson und Hermann Melville und ihre Südseeliteratur (Südseejahre/Typee) dürften ihn wohl zu seiner Reise inspiriert haben. Doch die Jahrzehnte sind nicht spurlos an den Inseln der Südsee vorbeigegangen und die schleichende Kolonisierung mitsamt Krankheiten haben aus den meisten Völkern einen Schatten ihrer selbst gemacht. Überall herrscht Gier, Neid und Missgunst und so zählen die Begegnung mit dem Nature Men Ernest Darling oder die Gastfreundschaft auf Tahaa zu den raren Lichtblicken auf dieser Reise.

Auch auf See verlässt die Snark das Unglück nicht, so gut wie jedes Crewmitglied erweist sich als untauglich und muss ausgetauscht werden. Notgedrungen lernt Jack London zu navigieren und muss nach drei gefeuerten Kapitänen selbst dieses Amt übernehmen. Zunehmend wird auch die Crew von Krankheiten heimgesucht und trotz großer Bemühungen als Amateurarzt verliert London die Kontrolle über die Situation. Nach gut zwei Jahren muss er den Traum einer siebenjährigen Weltreise aufgeben, die Snark verkaufen und nach Amerika zurückkehren.

Ich hatte mehr Glück als viele Hunderte Millionen Menschen meiner Generation, und obwohl ich viel gelitten habe, habe ich viel erlebt, viel gesehen und viel empfunden, was dem Durchschnittsmenschen verwehrt blieb. Ja, die Sache hat sich wirklich gelohnt.

Jack London wuchs nach seiner Geburt im Jahre 1876 in ärmlichen Verhältnissen auf und verbrachte weite Teile seiner Jugend mit harter körperlicher Arbeit. Im Selbststudium eignete er sich aus öffentlichen Bibliotheken ein enormes Wissen und umfangreiche Literaturkenntnisse an. Daraufhin beschloss er Schriftsteller zu werden und erlangte nach seiner ersten Veröffentlichung 1899 eine enorme Popularität. Die Veröffentlichung seiner Romane Ruf der Wildnis (1903) und Der Seewolf (1904) brachte ihm schließlich enorme finanzielle Mittel ein, die er zur Realisierung seiner Träume nutzte, etwa dem Bau der Snark oder einer ökologischen Ranch.

Noch nie war Scheitern schöner

Die Reise der Snark sollte eine Reise des Scheiterns werden. Betrüger und Krankheiten legten ihr immer wieder Steine in den Weg und trotz enormer Kraftanstrengungen seitens Londons war er schließlich zur Aufgabe gezwungen. Von dieser enormen psychischen und auch physischen Belastung merkt der Leser selber nichts. Mit viel Humor und Ironie schildert der Autor alle Widrigkeiten, die sich auf der Reise auftaten. Er verfällt dabei nie in einen bitteren Tonfall, sondern verpackt die Widrigkeiten in sehr humorvolle und ironische Texte, die stellenweise an Mark Twain erinnern. Ähnlich wie bei Twain ist das Thema fast schon nebensächlich, London kann sogar ein Kapitel über die Navigation zu einer unterhaltsamen Leseerfahrung machen.

Jack London verkaufte die meisten Kapitel dieses Bandes im Laufe der Reise an Zeitungen, wodurch sich der episodenhaften Aufbau der Reise mit der Snark erklärt. So folgen die Kapitel zwar grob dem zeitlichen Ablauf, springen aber innerhalb der Texte hin und her. Das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch, schließlich läuft der Autor durch diese thematischen Schwerpunkte nicht in die Gefahr sich ständig wiederholen zu müssen. Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass dieser Reisebericht stellenweise unvollständig ist, zu hell scheint Londons eigener Stern in seinen Berichten. Das Nachwort des Übersetzers Alexander Pechmann klärt den Leser in dieser Hinsicht auf. So verschweigt London sein Alkoholproblem, dass an Bord wohl immer wieder ein Streitthema war, für viele Probleme sorgte und auch Mitschuld an seinem frühen Tod im Jahre 1916 hatte. Seine Frau Charmian veröffentlichte noch drei weitere Bände über die Reise, die leider nie den Weg ins Deutsche fanden.

Eine nach allen Regeln der Buchkunst gestaltete Ausgabe

Die Aufmachung dieses Bandes entspricht den gehobenen Standards des Mare Verlages. Der Schuber ist von einer herausragenden Qualität und begeistert durch ein minimalistisch anmutendes Design. Der Band selber ist in grauen Leinen gebunden und bietet zahlreiche aufeinander abgestimmte Prägungen, darunter auch ein Segelboot. Auf dem Vorsatzpapier finden wir eine Karte, die alle von der Snark angesteuerten Inseln umfasst und sich farblich hervorragend in den Band integriert. Das Papier ist von einer herausragenden Qualität, das hellblaue Leseband reicht aufgrund der im Text integrierten Anmerkungen aus und selbstverständlich bietet dieser Band auch eine Fadenheftung.

Im Anhang findet der geneigte Leser die kurzen Reiseberichte Freude am Sportsegeln und Die Toten kehren nie zurück, in denen Jack London von weiteren Erlebnissen auf See als Sportsegler und Matrose berichtet. Beide Erzählungen sind thematisch passend und ergänzen den eigentlichen Reisebericht hervorragend, das Nachwort des Übersetzers und Herausgebers Alexander Pechmann erläutert auf wenigen Seiten alles wichtige zum Buch, hätte aber gerne etwas umfangreicher ausfallen dürfen. Ergänzt wird der Band mit einem hilfreichen Glossar nautischer Fachbegriffe.

Fazit

Die Reise mit der Snark ist eine mit viel Humor geschilderte Reise des Scheiterns. Gerade dadurch, dass Jack London sich mit keiner Zeile ernst nimmt, bietet sie großes Lesevergnügen!


Autor: Jack London

Titel: Die Reise mit der Snark

Seiten: 352

Erscheinungsdatum: 1913

ISBN: 9783866482449

Verlag: Mare Verlag

Übersetzer: Alexander Pechmann

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