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Robert Louis Stevenson – St.Ives

2011 erschien im Hanser Verlag erstmals eine deutschsprachige Übersetzung von St.Ives, eines der letzten Werke des bekannten Schriftstellers Robert Louis Stevenson. Da der Autor vor dem Ende des Romans verstarb, vollendete der junge Arthur Thomas Quiller-Couch die letzten sechs Kapitel dieses Romans.

Eine wilde Verfolgungsjagd durch die halbe Welt

Die Handlung setzt im Jahre 1813 ein, als der französische Adlige Anne de Keroual de Saint Yves als Spion festgenommen und als Kriegsgefangener in ein Gefängnis in Edinburgh gesteckt wird. Die Insassen dürfen durch kleinere Schnitzereien, die sie an die Einheimischen verkaufen, ihr Einkommen aufbessern und bei einer dieser Gelegenheiten lernt er die junge Adlige Flora kennen und lieben. Berauscht von seinen Gefühlen fordert er einen Soldaten, der eine abfällige Bemerkung über sie geäußert hat, zu einem Duell und tötet ihn mit einer offenen Scherenhälfte.

Kurz darauf taucht Daniel Romaine, Rechtsanwalt seines vermögenden Großonkels, im Gefängnis auf und eröffnet ihm, dass ihn eine beträchtliche Erbschaft erwartet, sollte er nur persönlich bei seinem Onkel vorstellig werden. Die Flucht aus dem Gefängnis gelingt mithilfe eines Seils und diverser makaberer Gestalten wie den Viehtreibern Sim und Candlith und dem umtriebigen Schleuser Burchell Fenn. In Dunstable, auf den riesigen Ländereien seines Onkels, wird er zum Alleinerben des Familienvermögens bestimmt, doch schon kurz darauf muss er zusammen mit seinem Kammerdiener Rowley vor seinem verschwenderischen Cousin Alain fliehen, der sich um sein Erbe betrogen sieht. Eine wilde Verfolgungsjagd quer durch Europa bis hin nach Amerika beginnt.

Ein lupenreiner Abenteuerroman

St.Ives ist ein lupenreiner Abenteuerroman und führt den Leser in einem hohen Tempo durch unzählige Szenarien, die ausgestattet sind mit einem Sammelsurium unzähliger schillernder und schräger Figuren. Stevenson führt den Leser dabei quasi durch die halbe Welt, sei es nun England, Schottland, Frankreich oder sogar Amerika.

Zur Fortbewegung dient ihm wohl jedes Fortbewegungsmittel, dass 1813 zur Verfügung stand, von seinen eigenen Füßen, über eine Droschke oder gar einem Heißluftballon bis hin zu einer Fahrt auf einem Schiff quer über den Atlantik. Zahlreiche Szenen bleiben dem Leser aufgrund ihrer Mischung aus Komik, Ironie und Spannung lange in Erinnerung, sei es nun St.Ives Aufenthalt im Hühnerstall, die Rettung einer durchgebrannten jungen Frau inklusive wilder Verfolgungsjagd oder auch die Ballonfahrt mit dem Aeronauten Byfield.

Sympathische Charaktere

Auch Stevensons Charaktere wissen zu überzeugen, allen voran natürlich St.Ives, der als Ich-Erzähler den Leser durch das Geschehen führt und dessen Überheblichkeit zu Beginn leicht unsympathisch wirkt, der jedoch durch sein beherztes Handeln und seinen Witz die Herzen der Leser erobern kann. Auch die anderen Charaktere können den Leser für sich gewinnen, sei es nun die Vermieterin McRaphine, der Six-Feet High Club und insbesondere auch der sechzehnjährige Kammerdiener Rowley, der trotz seine Einfältigkeit mit Loyalität und Witz zu punkten weiß.

Seine Dialoge mit St.Ives zählen dabei zu den Höhepunkten des gesamten Romans. Einzig die Liebesbeziehung zu der jungen Flora bleibt die ganze Geschichte über etwas blass und weiß nicht wirklich zu überzeugen, das muss sie aber auch nicht zwangsläufig, da die Aufmerksamkeit des Publikums auf den zahlreichen Abenteuern liegt.

Stevensons Gespür für Sprache

Mit diesem Roman beweist Stevenson einmal mehr, was für ein herausragender Schriftsteller er ist. Schon früh kopierte er die Stile verschiedener Schriftsteller wie etwa Walter Scott, Daniel Dafoe, Alexandre Dumas oder Victor Hugo und diese frühe gute Schule merkt man beim Lesen sofort, die Pointen sitzen, die Dialoge und Monologe sprießen nur vor Lachern und sein Gespür für Sprache und Rhythmus wird in jedem einzelnen Satz deutlich. Die Übersetzung von Andreas Nohl ist dabei als gelungen zu betrachten, ihm gelingt es den Witz und die Ironie von Stevensons Sprache zu übertragen und den Rhythmus seiner Sätze beizubehalten.

Von Thomas Quiller Couch vollendet

Robert Louis Stevenson ist in Deutschland vor allem als Autor von Werken wie Die Schatzinsel oder Der seltsame Fall des Dr.Jekyll und Mr Hyde bekannt, doch sein unvollendetes Werk St.Ives muss sich nicht vor diesen Werken verstecken, sondern zählt viel mehr zu seinen besten Arbeiten. Er begann mit den Arbeiten zu diesem Werk zwei Jahre vor seinem Tod auf der Südseeinsel Samoa, konnte es jedoch nicht vollenden. Der junge Schriftsteller Arthur Thomas Quiller Couch, selbst ein großer Bewunderer Stevensons wurde mit der Aufgabe betraut, den Roman fertig zu schreiben und das Ergebnis ist durchaus beachtenswert. In den letzten sechs Kapiteln ist kein Bruch in Handlung oder Stil zu spüren, was sicherlich nicht nur ein Verdienst des Übersetzers Andreas Nohl ist.

Hochwertige Dünndruckausgabe aus dem Hanser Verlag

Die Ausgabe des Hanser Verlages entspricht wieder einmal dem gewohnten Klassiker Standard und umfasst einen Leineneinband, Fadenheftung, ein Lesebändchen, hochwertiges Dünndruckpapier und einen umfangreichen Anhang in Form eines Nachwortes des Übersetzers Andreas Nohl und einem kleinen Essay von Fanny Stevenson, in dem die Arbeitsweise von Robert Louis Stevenson und sein Eintreten für die Einheimischen von Samoa gewürdigt wird. Die Anmerkungen zum Text selber sind in einem für einen Abenteuerroman angemessenen Umfang vorhanden und tragen zum Verständnis der zahlreichen Anspielungen bei.

Fazit

St.Ives ist ein Abenteuerroman, der von der ersten bis zur letzten Seite Spaß macht und den Leser in seinen Bann zieht. Stevenson beweist hier seine gesamte schriftstellerische Qualität und weiß sowohl durch Handlung, als auch mit Stil zu begeistern.


Autor: Robert Louis Stevenson

Titel: St.Ives

Seiten: 520

Erscheinungsdatum: 1880

ISBN: 9783446236479

Verlag: Hanser Verlag

Übersetzer: Andreas Nohl

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