Auguste Groner – Der Unsichtbare

Auguste Groner – Der Unsichtbare

Auguste Groner ist eine österreichische Autorin, die um die vorletzte Jahrhundertwende herum große literarische Erfolge feierte und vor allem für ihre Kriminalromane bekannt war. Ihr Schaffen beschränkte sich allerdings nicht auf ein Genre, sondern beinhaltet auch einige phantastische Geschichten, die in Der Unsichtbare vertreten sind.

Der Unsichtbare enthält sieben Kurzgeschichten, die zwischen den Jahren 1892 und 1925 veröffentlicht wurden und die wohl im weitesten Sinne dem Horror Genre zugeordnet werden können. In Der Unsichtbare besucht ein Seemann seinen Onkel, der seine eigene Form der Rache am Mörder seiner Frau gefunden hat, während in Die kalte Hand ein Einbruch Unerwartetes zum Vorschein bringt. In Das ewige Licht setzt sich ein Seemann zur Ruhe und erlebt noch ein letztes unheimliches Abenteuer und in Der Hampelmann findet ein geiziger Müller seine gerechte Strafe. Die rätselhafte Statue ist mit beinahe siebzig Seiten die längste Geschichte in diesem Band und erzählt von einer rätselhaften Statue in einer Kirche. In Die tickende Uhr wird eine Uhr zur Mittelpunkt eines Kriminalfalls und Die unheimliche Schenke enthüllt die Identität eines geheimnisvollen Besuchers einer Gaststätte.

Nicht jedes Buch übersteht den Lauf der Zeit

Groners Geschichten erschienen im Verlag Lindenstruth in der Reihe Bibliotheca Arcana. Diese Reihe hat es sich zur Aufgabe gemacht, seltene und beinahe vergessene Texte phantastischer Natur der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen. Auch wenn man schnell merkt, dass die Geschichten alles anderes als unheimlich sind, haben sie durchaus ihren Reiz. Man muss bedenken, dass sie für Menschen geschrieben wurden, die aus einer völlig anderen Zeit stammen und andere Vorstellungen von Literatur und dem Unheimlichen haben. Es ist interessant zu sehen, wie sehr sich Sprache und Herangehensweise in nicht einmal hundert Jahren geändert haben und was für Themen die Menschen im deutschsprachigen Raum zum Fürchten gebracht haben.

Wenn man Groners Texte allerdings mit Autoren wie etwa H.P. Lovecraft vergleicht, der zeitgleich Geschichten mit einem ähnlichen Anspruch veröffentlicht hat, dann bemerkt man doch einen enormen Qualitätsunterschied. Kritisch finde ich den Hinweis des Herausgebers, dass die Texte behutsam modernisiert wurden. Hier hätte ich mir gewünscht, dass diese Modernisierung in Form von Anmerkungen erläutert wird. Ohne diese tappe ich als Leser im Dunkeln und weiß nicht, was in welcher Form verändert wurde.

Mit kleineren Abzügen eine schöne Ausgabe

Der Lindenstruth Verlag, der auch einige Kriminalgeschichten Groners veröffentlicht hat, brachte den Unsichtbaren 2004 in zwei Ausgaben auf den Markt, einer limitierten Sammlerauflage und in einer Taschenbuchausgabe. Die Sammlerausgabe ist in schönen blauen Leinen mit Goldprägung gebunden, ist allerdings nur mit einer Klebebindung und ohne Leseband ausgestattet. Ein Highlight sind die beigefügten Illustrationen, insbesondere von Professor Franz Kopallik, die die Handlung exakt wiedergeben und die Stimmung genau einfangen. Den Kurzgeschichten ist außerdem noch ein kurzes Vorwort von Gerhard G. Lindenstruth vorangestellt, das auf zwei Seiten leider keinen wirklichen Mehrwert bieten kann.

Fazit

Auch wenn Groners Texte nicht den Lauf der Zeit überstanden haben, so ist es dennoch reizvoll, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Unheimliche Geschichten darf man dabei leider nicht erwarten.


Autorin: Auguste Groner

Titel: Der Unsichtbare

Seiten: 164

Erscheinungsdatum: 1892-1925

ISBN: 9783934273337 (Taschenbuch)

Verlag: Verlag Lindenstruth

Illustrator: Franz Kopallik

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