Auf einer Holzfläche liegt ein rotes Buch mit dem Rücken nach oben, mit dem Titel „Der Letzte Mohikaner“ von James Fenimore Cooper.

Der letzte Mohikaner

von James Fenimore Cooper


05.03.2021

  • Abenteuer
  • ·
  • Klassiker

Der letzte Mohikaner von James Fenimore Cooper war der Türöffner für den modernen amerikanischen Roman. Und ist damit einer näheren Betrachtung wert.

Kampf um die Vorherrschaft Amerikas

1757 ist die Kolonisation des amerikanischen Kontinents im vollen Gange. Große Teile wurden den Einheimischen entrissen und die zerstrittenen Stämme dienen als Handlanger ihren Eroberern. Der Konflikt zwischen den Großmächten Großbritannien und Frankreich spitzt sich zu, als die Franzosen Richtung Fort William Henry marschieren.

Die Töchter des britischen Generals geraten in einen Hinterhalt. Nur dank des Waldläufers Nathaniel Bumppo und seinen zwei Begleitern, den Mohikanern Chingachgook und Uncas, gelingt ihnen die Flucht. Nach der Kapitulation der Briten beginnt eine halsbrecherische Verfolgungsjagd.

Wegbereiter des modernen Romans

Der letzte Mohikaner war schon bei seiner Veröffentlichung (1826) ein großer finanzieller Erfolg, der zu weiteren Lederstrumpf-Romanen führte. Er etablierte den amerikanischen Kontinent endgültig als Handlungsort und öffnete den Weg für weitere Abenteuerromane. Seine Bedeutung darf nicht unterschätzt werden – für Autoren wie Herman Melville oder Joseph Conrad war Cooper ein Vorbild.

Antiquiertes Menschenbild

Natürlich ist es leicht, über die Moralvorstellungen der Vergangenheit zu urteilen. Dennoch sollten wir uns Coopers Hintergrund zumindest vergegenwärtigen. Sein Vater war Großgrundbesitzer und maßgeblich an der Vertreibung der indigenen Bevölkerung beteiligt und dürfte seinen jüngsten Sohn damit stark geprägt haben. Es werden all die Stereotypen und Vorurteile ausgebreitet, die man sich halt so vorstellen kann.

Europäer sind gut und in allen Belangen überlegen, Indianer schlecht, außer sie sind auf britischer Seite. Dann sind sie okay. Sogar unsere Mohikaner werden von oben herab behandelt, eher wie Kinder denn als Gleichberechtigte. So weit, so vorhersehbar. Darunter leidet insbesondere das Figurenensemble. Die Rollen und Eigenschaften sind klar unterteilt und Überraschungen oder gar eine Entwicklung bleiben aus.

Brillante Naturbeschreibungen

Cooper bedient sich eines auktorialen Erzählers und führt uns in einem gemächlichen Tempo durch die Handlung. Seine grandiosen Landschafts- und Naturbeschreibungen sind sehr detailliert und bildhaft. Eindrucksvoll erweckt er die weitgehend unberührten Landschaften zum Leben. Bedauerlicherweise weiß er nicht, wann Schluss ist. Gerade auf die vielen Actionszenen müssen darunter leiden. 

Äußerlich gewohnt überragend

Die Ausgabe des Hanser Verlags entspricht den hohen Ansprüchen. Freuen dürfen wir uns über einen dunkelroten Leineneinband, die Fadenheftung, ein Titelschild mit Silberprägung, Dünndruckpapier und ein Leseband. Der Anhang glänzt mit einem umfangreichen Nachwort, einem hilfreichen Anmerkungsapparat und zwei Vorworten Coopers. Die Übersetzung stammt von Karen Lauer.

Pro/Contra

Pro
  • Grandiose Naturbeschreibungen
  • Die umfangreichste Übersetzung dieses Werks
  • Vorbildliche Klassikerausgabe
Contra
  • Veraltetes Menschenbild
  • Das langsame Erzähltempo schlägt sich auch in Action-Szenen nieder

Fazit


Der letzte Mohikaner von James Fenimore Cooper hinterlässt gemischte Gefühle. Eindrucksvolle Naturbeschreibungen treffen auf Vorurteile und eine behäbige Handlung. Dennoch lesenswert.

autor: James Fenimore Cooper

Titel: Der letzte Mohikaner

Seiten: 656

Erscheinungsdatum: 1826

Verlag: Hanser Verlag

ISBN: 9783446241350

Übersetzerin: Karen Lauer

illustrator: –

Reihe: Hanser Klassiker

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