
Die Suche nach dem König
von Lee Young-Do
23.04.2026
- Fantasy
Mit Die Suche nach dem König beendet Lee Young-Do seine vierbändige Reihe „Die Legende vom Tränenvogel“. Gelingt ihm ein würdiger Abschluss?
Das Herz des Naga-Reichs
Schon seit vielen Jahren befinden sich Kaygo Draka, Tinahan und Bihyung auf einer ermüdenden Mission: Sie suchen die Inkarnationen der alten Götter, die als einzige dem Expansionskrieg der Nagas etwas entgegensetzen können. Doch auch nach all den Jahren bleibt der Gott der Menschen verschwunden. In ihrer Verzweiflung reisen sie in das Herz des Naga-Reichs. Werden sie dort den verbliebenen Gott finden oder den rachsüchtigen Nagas zum Opfer fallen?
Ein interessantes Setting …
Lee Young-Dos Romane konnten sich vor allem durch ihr Setting von anderen Fantasy-Romanen abheben. Ihm gelang es, westliche, koreanische und asiatische Elemente zu einer einzigartigen Mischung zu verbinden. Insbesondere neue Völker brachten frischen Wind ins Genre. Aber auch nichtwestliche Verhaltensweisen und Gebräuche fanden ihren Platz. Bedauerlicherweise macht sich Die Suche nach dem König dies nicht zunutze.
… reicht nicht aus
Und auch sonst lässt sich nur wenig Gutes über den Roman sagen. Im Gegenteil – der Autor trifft in beinahe jedem Bereich durchweg Fehlentscheidungen. Das geht schon beim Plot los: Ging es im ersten Band um eine unterhaltsame Heldenreise, so verschob sich der Fokus im dritten Teil auf Krieg und Schlachten. Im vierten Teil wiederum kommt es zu Ereignissen, die alles Vorangegangene bedeutungslos machen. Offene Fragen werden kaum beantwortet, und wenn, dann enttäuscht die Antwort.
Ohnehin liegt der Fokus auf den falschen Figuren und Erzählsträngen. Natürlich gibt es am Ende eine überraschende und völlig aus der Luft gegriffene Wendung. Unbedeutende Erzählstränge werden bis zum Äußersten ausgereizt, während eigentlich interessante Abschnitte mit einem Nebensatz abgespeist werden. Und das undurchsichtige Ende soll wohl als Verkaufsanreger für weitere Bücher des Autors dienen – einen würdigen Abschluss stellt es jedenfalls nicht dar.
Handwerklicher Tiefpunkt
Handwerklich handelte es sich ohnehin um durchschnittliche Werke. Die Sprache war immer klar und solide, niemals zu kompliziert oder ausgefallen. Nur selten waren wir begeistert, aber Anlass zu Klagen gab es auch nicht. Leider wird Young-Do selbst diesen Ansprüchen nicht mehr gerecht. Was auffällt: Alle Figuren sprechen wie Kleinkinder. Genauer: wie ein einziges Kleinkind. Der Autor gibt sich nicht einmal die Mühe, den einzelnen Figuren auch nur Ansätze einer Persönlichkeit zu verleihen.
Ohne eine Namensnennung könnte man nicht unterscheiden, ob ein kleines Kind oder ein Gott spricht. Dementsprechend austauschbar wirkt jede Figur. Und noch viel schlimmer: Alle Figuren reagieren vollkommen undifferenziert mit größtmöglichen emotionalen Ausdrucksweisen auf jedes noch so unbedeutende Ereignis. Die Figuren in Spongebob Schwammkopf sind näher an Dostojewski als die Charaktere dieser Bücher. Zudem ist Young-Do das Gespür für Tempo abhandengekommen.
Jegliche Spannung wird zielgerichtet durch sinnlose Erklärungen unterbrochen. Trauriger Höhepunkt ist der Endkampf im Herzturm. Während der Endgegner schaltet und waltet, tauchen immer wieder neue Figuren auf, gerne mit einer Slapstick-Einlage. Diese erhalten natürlich jedes Mal eine ausführliche Erklärung, bevor es weitergeht – bis wenige Seiten später die nächste Unterbrechung folgt. Eine unglückliche Entwicklung, bewies der Autor doch zuvor, dass er das handwerkliche Rüstzeug eigentlich besitzt.
Was bleibt?
Die Suche nach dem König von Lee Young-Do ist eine einzige Enttäuschung. Nach dem unterhaltsamen Start mit einem erfrischenden Setting ist diese Entwicklung unerfreulich. Unser Schriftsteller trifft ununterbrochen erzählerische Fehlentscheidungen und möchte mit dem offenen Ende scheinbar nur weitere Romane vorbereiten.
Sämtliche interessante Ideen werden entweder ignoriert oder gegen die Wand gefahren. Handwerklich gibt sich der Autor keine Mühe mehr: Die grauenhaften Dialoge, die banale Sprache und das mangelnde Bewusstsein für das Tempo lassen sich nur durch Unlust oder Überforderung erklären. Nach den starken ersten Bänden einfach nur bedauerlich.
Gewöhnliches Hardcover
Äußerlich handelt es sich um ein solides Hardcover aus dem Heyne Verlag. Man bekommt genau das, was man von einem Hardcover dieser Preisklasse auch erwartet. Immerhin weiß das Titelbild von Yi Suyeon zu begeistern. Der Anhang überzeugt durch ein umfangreiches Glossar und ein Personenverzeichnis. Die Übersetzung fertigten Hyuk-Sook Kim und Manfred Selzer an.
Werke von Lee Young-Do
Pro/Contra
Pro
- Interessantes Setting
Contra
- Grauenhafte Dialoge
- Kein Gespür für das Erzähltempo
- Enttäuschende Handlung
Fazit
Die Suche nach dem König von Lee Young-Do ist eine einzige Enttäuschung.
autor: Lee Young-Do
Titel: Die Suche nach dem König
Seiten: 432
Erscheinungsdatum: 2024 (2003)
Verlag: Heyne Verlag
ISBN: 9783453274648
Übersetzer: Hyuk-Sook Kim, Manfred Selzer
illustratoren: –
Reihe: Die Legende vom Tränenvogel (4)











Schönen guten Morgen,
ich lese diese Reihe grade bzw. hab ich den 2. Band jetzt beendet. Deshalb war ich neugierig was du zum Abschluss schreibst. Das klingt nicht wirklich berauschend … ich habs mir jetzt nicht so genau durchgelesen um mich nicht zu spoilern – gegen Kriege und Schlachten hab ich an sich nichts, es kommt halt immer drauf an.
Da ich heute den 3. Band starte bin ich echt gespannt und hoffe, dass es mich weiterhin gut unterhalten kann, mal sehen ^^
Liebste Grüße, Aleshanee