Sheridan Le Fanu – Das Zimmer im fliegenden Drachen

Sheridan Le Fanu – Das Zimmer im fliegenden Drachen

Das Zimmer im fliegenden Drachen ist eine Novelle des in Deutschland vernachlässigten Autors Sheridan Le Fanu und steht in der Tradition des viktorianischen Schauerromans.

Einem jungen Mann wird der Kopf verdreht …

Der junge Richard Beckett erbt eine große Summe, und als sich Frankreichs Tore nach dem ersten Sturz Napoleons öffnen, begibt sich auf eine Reise nach Paris. Auf dem Weg dorthin verliebt er sich in eine junge Frau, die unglücklich mit einem alten Grafen verheiratet ist. In Paris kommen die beiden sich näher und beschließen zu fliehen, doch gelingt ihre Flucht? Und was hat es mit seinem Zimmer im Gasthof zum fliegenden Drachen auf sich?

Der Ire Sherdian Le Fanu gilt als einer der bekanntesten Vertreter klassischer Schauerliteratur und schuf in seiner kurzen Schaffenszeit als Autor ein überschaubares, aber prägendes Werk. So soll seine mehrfach verfilmte Geschichte Carmilla, die sich um eine lesbische Vampirin dreht, großen Einfluss auf Bram Stokers Dracula gehabt haben. Dennoch habe ich bislang noch kein Werk von Le Fanu lesen können und so war ich gespannt, ob sein Werk der Zeit trotzen konnte.

Eine Geschichte aus einer anderen Zeit

Natürlich merkt man der Geschichte ihr Alter an, Wortwahl und Satzkonstruktionen entsprechen nicht den Gewohnheiten des heutigen Lesers, störend wirkt sich das allerdings nicht aus. Das Zimmer im fliegenden Drachen ist sowohl eine Liebes – als auch eine Schauergeschichte, die beide miteinander verwoben wurden. Die Liebesgeschichte ist wie damals üblich sehr subtil erzählt und kann nur bedingt überzeugen – dafür fehlt der notwendige Raum und die Perspektive der jungen Gräfin.

Der Gruselanteil – Horror möchte ich das nicht nennen – ist weitaus gelungener gestaltet. Die Geschichte beginnt sehr ruhig und steigert die (An)Spannung bis zur Auflösung. Dadurch das Le Fanu die Ich-Perspektive nutzt, enthält er dem Leser so einige Informationen vor – ein notwendiges Vorgehen. Der aufmerksame Leser wird nämlich recht schnell merken, in welche Richtung sich die Geschichte bewegt, dennoch sorgt das Gesamtpaket dafür, dass man bis zum Schluss gebannt mitliest. Auffällig ist, dass übernatürliche Elemente völlig fehlen. Natürlich gibt es auch hier finstere Nächte, unheimliche Gestalten und viele Andeutungen, doch in dieser Geschichte sind die Menschen und nicht das Übernatürliche der wahre Horror.

Der Leser hat die Wahl

Der Lindenstruth Verlag ist ein kleiner deutscher Verlag, der sich immer wieder an kleine hochwertige Sammlerausgaben wagt. In der Reihe Bibliotheka Arcana werden alte und vergessene Texte in der Tradition der phantastischen oftmals nach Jahrzehnten wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht – Das Zimmer im fliegenden Drachen erschien zuletzt etwa im Jahre 1912.

Neben einer normalen Taschenbuchausgabe gibt es dieses Buch auch in einer limitierten Sammlerausgabe. Diese ist mit einem überaus stabilen Leinenbezug samt Silberprägung bezogen, hat ein thematisch passendes Vorsatzpapier, einen schönen und schlichten Schutzumschlag und vier passende Illustrationen von J. Pasquier aus dem Jahre 1872. Abgerundet wird diese kurze Geschichte mit einem kurzen Nachwort von Robert N. Bloch. Ein Leseband fehlt leider, das ist aber aufgrund der Kürze der Erzählung noch verschmerzbar.

Fazit

Das Zimmer im fliegenden Drachen ist eine unterhaltsame und kurzweilige Erzählung, ideal für verregnete Herbsttage.


Autor: Sheridan Le Fanu

Titel: Das Zimmer im fliegenden Drachen

Seiten: 197

Erscheinungsdatum: 1872

ISBN: 9783934273702

Verlag: Verlag Lindenstruth

Übersetzer: Frida von Holtzendorff, Robert N. Bloch

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