Ein Exemplar des Buches "RUMO & Die Wunder im Dunkeln" von Walter Moers liegt geschlossen auf einer Holzfläche.

Rumo & Die Wunder im Dunkeln

von Walter Moers


05.06.2026

  • Fantasy
  • ·
  • Phantastik

Im Jahre 2003 veröffentlichte Walter Moers mit Rumo & Die Wunder im Dunkeln sein drittes Zamonien-Werk. Kann der Roman heute noch überzeugen?

Die Suche nach dem silbernen Faden

Der kleine Wolpertinger Rumo führt ein ruhiges und behütetes Leben. Auf einem Bauernhof wird er liebevoll umsorgt und ist stets der Mittelpunkt des Geschehens. Doch dann wird er von Teufelszyklopen auf eine schwimmende Insel entführt, um als lebendiger Proviant zu dienen.

Was die Räuber nicht ahnen: Wolpertinger zählen zu den stärksten und gefährlichsten Lebewesen Zamoniens. Rumo wächst mit atemberaubender Geschwindigkeit zur größten Bedrohung auf der Insel heran. Doch das soll nur den Auftakt einer abenteuerlichen Reise darstellen.

Der dritte Zamonien-Roman

Walter Moers gehört zu den erfolgreichsten Schriftstellern der vergangenen Jahrzehnte. Der öffentlichkeitsscheue Hamburger schuf mit den Zamonien-Romanen moderne Klassiker der phantastischen Literatur. Rumo & Die Wunder im Dunkeln stellte 2003 das dritte Werk der überaus populären Reihe dar.

Im Mittelpunkt steht – wie sollte es auch anders sein – die Lebensgeschichte des Wolpertingers Rumo. Aufmerksame Leser wissen: Rumo feierte bereits in „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“ erste Auftritte. Vorkenntnisse sind für den Lesegenuss dennoch nicht erforderlich, da beide Versionen nur wenig gemeinsam haben. Was erwartet uns in diesem seitenstarken Abenteuer?

Klassische Heldenreise mit Abzweigungen

Im Grunde eine klassische Heldenreise: Wir begegnen unserem Helden als jungem Welpen, begleiten ihn auf seinen Abenteuern und Herausforderungen und dürfen seine Entwicklung hautnah miterleben. Das übergeordnete Ziel seiner Reise stellt die Suche nach dem silbernen Faden dar: einer Geruchsspur, an deren Ende das Glück (die Liebe) wartet. Neben unzähligen Abenteuern dürfen wir uns also über eine waschechte Liebesgeschichte freuen.

Doch Moers wäre nicht Moers, wenn er es dabei belassen würde. Sein Plot überrascht mit vielen kleineren und größeren Wendungen, die uns nur selten zur Ruhe kommen lassen. Wir steigen zunächst mit einem atemberaubenden Tempo ein, bevor die Geschichte im Mittelteil merklich an Geschwindigkeit verliert. In den Schlussszenen nimmt das Geschehen dann wieder an Fahrt auf.

Ungeachtet des Erzähltempos nimmt Moers oft und gerne kleine erzählerische Abzweigungen – ohne den Fokus zu verlieren. Noch die kleinste Nebengeschichte ist von Bedeutung, auch wenn sich dies oft erst viel später zeigt. Insgesamt handelt es sich um eine recht düstere und stellenweise brutale Erzählung.

Gewalt und Tod sind fest mit dem Leben eines Wolpertingers verbunden und Moers scheut nicht davor zurück, dies zu zeigen. Doch keine Sorge: Allzu detailliert werden diese Schilderungen nicht. Zartbesaitete Gemüter sollten dennoch zumindest vorbereitet sein. Immerhin schafft dies den Raum für ernsthafte Themen.

Wundervolle Ideen

Die vielen Reisen des jungen Rumo eignen sich natürlich hervorragend, um Zamonien und seine Bewohner glänzen zu lassen. Wie gewohnt feuert Moers mit einer schnellen Taktung ein Feuerwerk an kreativen Ideen ab. Unter anderem dürfen wir uns über Unvorhandene Winzlinige, Kupferne Kerle, tödliche Theater, die Stadt Hel und ein schizophrenes Kampfmesser freuen. Geschickt verwebt Moers die griechische und nordische Mythologie, aber auch klassische Abenteuerliteratur mit seinem Werk.

Liebevolles Figurenensemble

Das Figurenensemble kann sich sehen lassen. Nur wenige Autoren können sich Figuren wie die Haifischmade Volzotan Smeik, General Ticktack oder König Gaunab ausdenken und dann auch noch glaubwürdig zum Leben erwecken. Rumo gewinnt unsere Herzen durch seine bescheidene und zurückhaltende Art.

Trotz seiner Stärke wird er nie zum Überhelden und bleibt immer „Mensch“. Doch auch die anderen Figuren brauchen sich nicht zu verstecken. Sie sind keine bloßen Statisten, sondern nehmen wichtige Rollen wahr. Keine Figur ist uns egal. Selbst die meisten Antagonisten erlangen unsere Sympathien oder zumindest unser Mitgefühl.

Handwerklich brillant

Handwerklich bewegen wir uns in gewohnten Fahrwassern. Moers ist und bleibt ein Freund des geschriebenen Wortes. Er liebt es, die Möglichkeiten der Sprache auszuloten und mit ihr zu experimentieren. So dürfen wir uns über unzählige (gelungene) Wortspiele, eine bildgewaltige Sprache und herrliche Dialoge freuen. Auch sonst handelt es sich um einen Meister seiner Zunft, der jeden denkbaren Aspekt des Erzählens und Schreibens spielerisch beherrscht.

Was bleibt?

Rumo & Die Wunder im Dunkeln von Walter Moers stellt einen weiteren herausragenden Zamonien-Roman dar. Moers gelingt es, der klassischen Heldenreise durch gelungene kreative Entscheidungen etwas Neues abzugewinnen. Wir dürfen uns über ein Feuerwerk an kreativen Ideen, eine spannende und temporeiche Handlung und ein bis zur letzten Nebenfigur liebevoll gestaltetes Figurenensemble freuen. Sprachlich handelt es sich ohnehin um einen Meister seiner Zunft.

Großformatiges Hardcover

Die äußere Gestaltung des Penguin Verlags kann überzeugen. Das große Format bringt die wundervollen Illustrationen des Autors hervorragend zur Geltung. Diese bereichern die Handlung und tragen entscheidend zum Lesegenuss bei. Die strukturierte Oberfläche verleiht den Romanen einen hohen Wiedererkennungswert. Daneben dürfen wir uns natürlich über ein Leseband und hilfreiche Karten im Vorsatz bzw. Nachsatz freuen.

Pro/Contra

Pro
  • Sprachlich brillant
  • Liebevolles und lebendiges Figurenensemble
  • Wunderschöne Illustrationen
Contra
  • /

Fazit


In Rumo & Die Wunder im Dunkeln gewinnt Walter Moers der klassischen Heldenreise neue Facetten ab. Ein weiterer brillanter Zamonien-Roman!

autor: Walter Moers

Titel: Rumo & Die Wunder im Dunkeln

Seiten: 704

Erscheinungsdatum: 2003

Verlag: Penguin Verlag

ISBN: 9783328601906

Übersetzer: –

illustrator: Walter Moers

Reihe: Zamonien (3)

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