Buch frontal oben Tiptree Jr. Sternengraben

James Tiptree Jr. – Sternengraben

Der Sternengraben ist eine von James Tiptree Jr. selbst zusammengestellte Sammlung dreier Kurzgeschichten, die sich um den von ihr ersonnen Sternengraben drehen, einem unvorstellbar großen Gebiet im Weltraum, dass gänzlich ohne Sonnen auskommen muss.

Drei Geschichten im selben Universum

Den äußeren Rahmen des Buches bildet Universität Deneb, Große Zentralbibliothek, eine Kurzgeschichte, die die anderen Geschichten miteinander verbindet. Darin suchen Außerirdische eine große Bibliothek auf, um die menschliche Rasse zu studieren und erhalten vom Bibliothekar drei Geschichten. Die erste Geschichte Das einzig Vernünftige dreht sich um die sechzehnjährige Coati, die sich mit ihrem ersten Weltraumfahrzeug auf eine Abenteuerreise begibt und dabei zufällig den Erstkontakt zu einer außerirdischen Parasitenrasse herstellt.

In Lebt wohl, ihr Lieben betreibt der ehemalige Militärangehörige Raven einen privaten Weltraumabschleppdienst. Im Rahmen seiner Reisen muss er oft in den Kälteschlaf und sein Körper altert dadurch wesentlich langsamer. Eines Tages rettet er seine ehemalige Jugendliebe – nunmehr eine alte Frau – und ihren Klon vor Piraten und steht vor der Wahl, wem seine Liebe gilt. Kollision schildert den Erstkontakt der Menschen mit einer anderen Rasse diesseits des Sternengrabens. Dieser droht jedoch aufgrund unglücklicher Umstände in einen Krieg auszuarten und nur ein kleines Erkundungsschiff kann dies verhindern.

Eingebettet in eine kleine Rahmenhandlung

James Tiptree selbst stellte diese Geschichten in dieser Form noch ein Jahr vor ihrem Tod zusammen und verpasste ihnen eine kleine Rahmenhandlung. Diese ist letzten Endes völlig belanglos, stellt aber eine nette Abwechslung zu den sonst üblichen lieblosen Aneinanderreihung von Kurzgeschichten dar. Gemeinsam haben die drei Novellen/Kurzgeschichten nämlich nur den Handlungsort, inhaltlich und zeitlich haben sie wenig Verknüpfungspunkte. Das einzig Vernünftige ist dabei eine leichte Abenteuergeschichte,die vor allem durch geschickte Perspektivwechsel die Spannung bis zum Schluss aufrechterhält. Lebt wohl, ihr Lieben verlässt sich hingegen ganz auf ihren Hauptcharakter und seine moralischen Konflikte, während Kollision ein Feuerwerk an bizarren Ideen bietet.

Der Mensch steht im Mittelpunkt

Wie gewohnt steht bei Tiptree menschliche Konflikte und Beziehungen im Vordergrund. Tiptrees kreativen Ideen scheinen immer wieder durch, die Geschichten haben wieder ihren typischen Humor und eine subtile erotische Beimischung. Natürlich gibt es auch spannungsgeladene Szenen, aber noch mehr Spannung entsteht durch richtig gesetzte Perspektivwechsel. Dennoch zählt der Sternengraben zu ihren schwächeren Werken, gerade den ersten beiden Geschichten fehlt einfach die Durchschlagskraft und die zündende Idee, die ihre Geschichten sonst auszeichnen.

Der sechste Band der Gesamtausgabe

Die Ausstattung entspricht dem gewohnten Bild der gesamten Tiptree Werkausgabe und kann als solide bis gut bezeichnet werden. Der Pappband ist stabil, das Papier ist dick, ein Leseband ist vorhanden. Die Gestaltung des Schutzumschlages weiß zu gefallen und reiht sich nahtlos an die restlichen Bände ein. Ich kann nur zum wiederholten Male bemängeln, das Tiptree einen Leineneinband oder zumindest eine Fadenheftung verdient hätte.

Fazit

Der Sternengraben versammelt drei unterhaltsame Kurzgeschichten, die in Grundzügen alles enthalten, was Tiptree ausmacht, sich aber eher an Genre Leser richten. Sicherlich gute Literatur, aber wer bisher noch nichts von Tiptree gelesen hat, sollte lieber mit Doktor Ain oder Yanqui Doodle beginnen.


Autorin: James Tiptree Jr.

Titel: Sternengraben

Seiten: 333

Erscheinungsdatum: 1985/86

ISBN: 9783902711298

Verlag: Septime Verlag

Übersetzer: Eva Bauche-Eppers, Frank Böhmert, Laura Scheifinger

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