Ein grünes Buch mit dem Titel „Der Freiheit Entgegen“ von Wilhelm Lehner, mit einem Soldatenbild auf dem Einband, platziert auf einer Holzunterlage.

Der Freiheit entgegen

von Wilhelm Lehner


22.07.2022

  • Phantastik
  • ·
  • Science-Fiction

Wilhelm Lehners Alternativweltroman Der Freiheit entgegen bereitete mir beim Verfassen der Besprechung so großes Kopfzerbrechen wie kaum ein anderes Werk. Warum das so war, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.

Alternativweltgeschichte von Rechts

Unsere Geschichte beginnt einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg. Der ehemalige deutsche Pilot Hartmann schlägt sich in Amerika erfolgreich als Börsenspekulant durch. Dennoch leidet er immer noch daran, dass seine Verdienste in seiner Heimat nicht ausreichend gewürdigt wurden. Doch dann kommt er einer globalen Getreidepreisspekulation auf die Schliche, die die Existenz Deutschlands bedroht. 

Er zögert keine Sekunde und leitet die notwendigen Schritte ein, um seine Heimat zu retten. Dann kehrt er nach Deutschland zurück. Zusammen mit ehemaligen Offizieren baut er eine separatistische und technisch überlegene Luftwaffe auf. Fortan nehmen sie den Kampf gegen die Unterdrücker Deutschlands auf. Allen voran natürlich Frankreich.

Reines Propagandamittel

Wer sich nach der Inhaltsbeschreibung vergegenwärtigt, dass der Roman 1930 im Völkischen Beobachter als Fortsetzungsgeschichte erschienen ist, weiß im Grunde alles Notwendige. Wir haben es mit einem Propagandamittel zu tun, das unter dem Deckmantel einer phantastischen Alternativweltgeschichte agiert.

Der Autor schlachtet in Dauerschleife einschlägig bekannte Ressentiments der Weimarer Republik aus. Es geht um vermeintlich ungerechtfertigte Reparationen, den Verrat der Regierung oder um die Tapferkeit und Überlegenheit des deutschen Volkes. Dass dann noch Gasangriffe auf Städte befürwortet und sogar gefeiert werden, ist zwar pervers, aber am Ende konsequent.

Nicht nur inhaltlich schwach

Die literarischen Defizite kommen erschwerend hinzu. Lehners Plot folgt keinen Spannungsbögen, sondern gibt ausschließlich nationalsozialistischen Wahnvorstellungen Raum zur Entfaltung. Dass seine Figuren über die Einteilung in Patrioten und Verräter hinaus keine besondere Charakterisierung erfahren, versteht sich von selbst. Und natürlich werden Frauen auf Rollen als Gebärmaschinen und Bewunderinnen reduziert.

Was bleibt?

Lange Zeit habe ich mit der Veröffentlichung dieser Rezension gezögert. Sollte man so einem Werk überhaupt noch Raum geben? Letztlich habe ich mich dafür entschieden. So hat das Buch einen begrenzten wissenschaftlichen Wert. Zudem ist Aufklären oftmals besser als Totschweigen. Und nicht zuletzt geht von diesem Werk keinerlei Gefahr aus. Die Geschichte weist so viele inhaltliche und sprachliche Mängel auf, dass sie keinerlei Unterhaltungswert bietet.

Hochwertige Ausstattung

Der Freiheit entgegen erschien 2004 im Shayol Verlag in der Utopisch-Phantastischen Bibliothek. Die Ausstattung für solch ein Buch ist fast schon zu hochwertig. Schließlich erhielt es einen grünen Leinenumschlag, eine Goldprägung, eine Fadenheftung und darüber hinaus noch ein Leseband.

Der recht umfangreiche Anhang wurde von Wolfgang Both gestaltet. Er bietet einige Informationen und Erklärungen zu prägenden Motiven des Romans wie der Weimarer Republik, dem Flugwesen, dem Gaskrieg oder auch Spekulationen zur wahren Identität des Autors.

Pro/Contra

Pro
  • Allenfalls aus wissenschaftlicher Sicht interessant
Contra
  • Alles andere

Fazit


Der Freiheit entgegen von Wilhelm Lehner bietet allenfalls Historikern einen Mehrwert. Es handelt sich letztlich um ein nationalsozialistisches Propagandawerk.

autor: Wilhelm Lehner

Titel: Der Freiheit entgegen

Seiten: 234

Erscheinungsdatum: 1930

Verlag: Shayol Verlag

ISBN: 978392612640

Übersetzer: –

illustratoren: –

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