Robert A. Heinlein - Die Nachgeborenen

Robert A. Heinlein – Die Nachgeborenen

Robert A. Heinlein gilt als einer der erfolgreichsten und bekanntesten Science-Fiction Autoren aller Zeiten und als man 2002 mehr als 14 Jahre nach seinem Tod in der Garage eines Sammlers das letzte Manuskript des unveröffentlichten Romans Die Nachgeborenen fand, grenzte es an ein kleines Wunder.

Ein Marineflieger auf Zeitreise

In Die Nachgeborenen findet sich der junge Marineflieger Perry Mason nach einem Unfall im Jahre 1939 hundertfünfzig Jahre in die Zukunft versetzt wieder. Die junge Diana nimmt ihn bei sich auf und hilft ihm, sich in dieser neuen Welt zurechtzufinden. Nach und nach erkundet er das utopische Amerika und begegnet in der Tradition der Sokratischen Methode verschiedensten Menschen, die mit ihm über die gesellschaftlichen Entwicklungen diskutieren.

Fortschrittliche Weltanschauung

Die Utopie, die er entwirft, ist durchaus interessant und er liefert viele Denkansätze, die zwar nicht alle durchführbar oder nachvollziehbar sind, aber zu eigenen Gedanken anregen. Man kann diesen Roman durchaus als Keimzelle für Heinleins Schaffen bezeichnen, so finden sich viele Ideen in ausführlicherer Form in seinen späteren Werken wieder. Auffällig ist, wie progressiv seine Weltanschauung gerade für einen Mann aus dem Jahre 1938 ist. Heinleins Ansichten zum Recht auf Privatsphäre, der freien Entfaltung des Individuums oder der Gleichberechtigung der Frau waren damals schon weitaus progressiver, als sie es heute vielerorts sind.

Diese Ansichten sind vor allem auf seine zweite offen ausgelebte Ehe und seine damalige politische Karriere zurück zuführen. Vor seinem Durchbruch als Schriftsteller versuchte er sich einige Jahre als Politiker der demokratischen Partei und gehörte dem für amerikanische Verhältnisse radikaleren linken Flügel an. Er stieg rasch auf, wurde von einigen gleichgesinnten Politikern geprägt, scheiterte dann aber bei der Wahl um ein politisches Amt. Finanzielle Probleme zwangen ihn schließlich dazu, seine politische Laufbahn aufzugeben, doch sein damaliges Umfeld sollte seine Romane noch lange prägen.

Ein Lektor hätte dem Roman gut getan …

Da es sich um ein unveröffentlichtes und nicht lektoriertes Werk handelt, stolpert man sehr oft über Ungereimtheiten, die den Lesegenuss schmälern. Eine wirkliche Handlung ist nicht vorhanden, vielmehr hat man als Leser das Gefühl, sich von Aufsatz zu Aufsatz zu hangeln, ehe man zu einem unbefriedigenden Schluss kommt. Alle Figuren und insbesondere Perry und Diana bleiben den ganzen Roman über blass und ausgerechnet Perrys Wandlung, die die Handlung tragen soll, ist nicht nachvollziehbar dargestellt.

Die Personen, denen Perry begegnet, hinterfragen seine Geschichte nicht und nach wenigen Sätzen ist jeder davon überzeugt, dass Perry die Wahrheit sagt. Und umgekehrt akzeptiert auch Perry schnell die massiven gesellschaftlichen Veränderungen, nach nur einem Jahr hat er seinen Lebensstil vollkommen an dem der Zukunft angepasst. Einen Vorwurf kann man Heinlein allerdings nicht machen, er selber vernichtete seine Manuskripte kurz vor seinem Tod, und es ist nur einem unglaublichen Zufall zu verdanken, dass wir als Leser Zugang zu diesem Werk bekommen konnten.

Vorbildliche Science-Fiction Ausgabe

Die Ausgabe des Shayol Verlages ist lobenswert, das Buch ist in grünen Leinen gebunden, besitzt eine Goldprägung, einen schön gestalteten Schutzumschlag, Fadenheftung und ein Leseband. Darüber hinaus gibt es ein Vorwort von Spider Robinson und ein Nachwort von Robert James, die beide die Einordnung des Romans enorm erleichtern.

Fazit

Die Nachgeborenen ist ein Roman, der zurecht nicht zu Lebzeiten des Autors veröffentlicht wurde. Der Roman kann durch nichts wirklich begeistern, bietet allerdings Einblicke in die Gedanken des jungen Robert Heinlein, die sein Spätwerk ausmachen sollen. Wer sich intensiver mit Heinlein auseinandersetzen möchte, kann einen Blick riskieren, alle anderen sollten zu seinen späteren Romanen greifen.


Autor: Robert A. Heinlein

Titel: Die Nachgeborenen

Seiten: 266

Erscheinungsdatum: 2003 / 1938

ISBN: 9783926126702

Verlag: Shayol Verlag

Übersetzerin: Sara Riffel

 

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