
Die Nachgeborenen
von Robert A. Heinlein
25.06.2021
- Phantastik
- ·
- Science-Fiction
Die Nachgeborenen von Robert A. Heinlein wurden 2002 in der Garage eines Sammlers wiederentdeckt. Doch ist der Roman genauso gut wie seine Entdeckungsgeschichte?
Ein Marineflieger auf Zeitreise
Der Marineflieger Perry Mason findet sich nach einem Unfall (1939) im Jahre 2089 wieder. Die junge Diana nimmt ihn auf und hilft ihm, sich nach und nach in der Zukunft zurechtzufinden. Nach und nach erkundet er das utopische Amerika und begegnet in der Tradition der sokratischen Methode Menschen, die mit ihm über Entwicklungen diskutieren.
Fortschrittliche Weltanschauung
Robert A. Heinlein entwirft eine durchaus interessante Utopie. Viele seiner Denkansätze sind aus heutiger Perspektive nicht mehr nachvollziehbar, aber immerhin regen sie zum eigenen Denken an. Zudem kann man den Roman als Keimzelle für Heinleins späteres Schaffen begreifen: Viele Ideen finden sich in ausführlicher Form in seinen späteren Werken wieder. Auffällig ist, wie progressiv seine Haltung war.
Seine Ansichten zur Privatsphäre und Gleichberechtigung sind überraschend modern. Dies lässt sich auf seine zweite offene Ehe und seine politische Karriere zurückführen. Vor seinem Durchbruch als Schriftsteller versuchte er sich als Politiker (Demokrat) und gehörte dem radikaleren linken Flügel an. Er stieg rasch auf, scheiterte dann aber bei einer wichtigen Wahl. Finanzielle Probleme zwangen ihn schließlich zur Aufgabe.
Viele Ungereimtheiten
Leider merkt man dem Werk an, dass es nicht lektoriert wurde. Allzu oft stolpern wir über Ungereimtheiten, die den Lesegenuss schmälern. Eine wirkliche Handlung gibt es nicht, vielmehr hangeln wir uns von Aufsatz zu Aufsatz, bis wir mit einem unbefriedigenden Schluss abgespeist werden. Sämtliche Figuren bleiben blass und unnahbar. Auch hinterfragt niemand, dass Perry aus der Zukunft kommt.
Nach wenigen Sätzen ist jeder davon überzeugt, dass Perry die Wahrheit sagt. Und umgekehrt akzeptiert dieser die massiven Veränderungen ungewöhnlich schnell. Einen wirklichen Vorwurf kann man Heinlein aber nicht machen, schließlich vernichtete er das Manuskript kurz vor seinem Tod. Nur einem unglaublichen Zufall (Garagenfund) ist es zu verdanken, dass wir eine gedruckte Fassung vor uns haben.
Vorbildliche Ausgabe
Die Ausgabe des Shayol Verlags ist lobenswert. Uns erwartet ein grüner Leineneinband mitsamt Goldprägung, ein schön gestalteter Schutzumschlag, eine Fadenheftung und ein Leseband. Das Vorwort von Spider Robinson und das Nachwort von Robert James erleichtern die Einordnung des Romans. Die Übersetzung stammt von Sara Riffel.
Pro/Contra
Pro
- Viele Motive, die Heinleins späteres Werk ausmachen sollen, finden sich hier bereits wieder
Contra
- Ein unausgereifter Roman, der wie die Aneinanderreihung von halb fertiggestellten Essays wirkt
Fazit
Die Nachgeborenen von Robert Heinlein ist vor allem aus historischen Gründen interessant. Wer sich intensiver mit Heinlein auseinandersetzen möchte, kann einen Blick riskieren, alle anderen sollten zu seinen späteren Romanen greifen.
autor: Robert A. Heinlein
Titel: Die Nachgeborenen
Seiten: 266
Erscheinungsdatum: 1938
Verlag: Shayol Verlag
ISBN: 9783926126702
Übersetzerin: Sara Riffel
illustratoren: –






