
Qwert
von Walter Moers
20.11.2025
- Fantasy
- ·
- Phantastik
Im zwölften Zamonien-Roman Qwert von Walter Moers verschlägt es den gleichnamigen Titelhelden in die Parallelwelt Orméa. Was erwartet uns?
Unverhofft Ritter
Qwert Zuiopü landet nach seinem Sturz durch ein Dimensionsloch in der Parallelwelt Orméa. Dort muss der eher gemütlich veranlagte Gallertprinz feststellen, dass er im Körper von Prinz Kaltbluth gelandet ist – allseits bekannt als unerschrockener und abenteuerlustiger Held kurzweiliger Trivialromane.
Als erste Amtshandlung befreit er eine junge Frau in Not. Doch zu seinem Unglück handelt es sich um die Janusmeduse Jaduse. Die fortan den ganzen Kontinent versteinern möchte.
Zusammen mit seinem Knappen Oyo Pagenherz, dem Reittier Schneesturm und seiner unsichtbaren und unzuverlässigen Waffe „Tarnmeister“ begibt er sich auf eine abenteuerliche Reise, um Jaduse aufzuhalten. Und als wäre dies nicht schwer genug, haben sich der Ritter und die Meduse unsterblich ineinander verliebt …
Kein Vorwissen nötig
Walter Moers zählt seit vielen Jahrzehnten zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern. Seine Zamonien-Romane werden sogar von Menschen gelesen und besprochen, die sonst um Fantasy-Literatur einen großen Bogen machen.
Wie es sich für eine erfolgreiche Reihe gehört, ist der Roman durchzogen von zahlreichen Anspielungen und Querverweisen auf bestehende Werke. Insbesondere die Hauptfigur Qwert, eigentlich ein Gallertprinz aus der 2364. Dimension, dürfte Lesern aus „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ bekannt sein. Zum Genuss des Bandes ist jedoch kein Vorwissen notwendig. Man kann problemlos mit diesem Band einsteigen – zumal im Anhang die wichtigsten Ausschnitte noch einmal abgedruckt sind. Doch was erwartet uns?
Mehr als eine Parodie
Im Mittelpunkt steht zunächst und zuvorderst eine klassische Abenteuergeschichte: Qwert landet unfreiwillig im Körper des Ritters Kaltbluth und muss notgedrungen dessen Rolle übernehmen. Während er daran arbeitet, das selbst verursachte Medusen-Problem zu lösen, erlebt er eine Reihe von weiteren Abenteuern (43 „Aventuiren“).
Und natürlich handelt es sich teilweise um Parodien klassischer Rittergeschichten. Die Anleihen an König Artus, Don Quijote und Co. sind nicht zu übersehen und sorgen für viele erheiternde Momente.
Den Abenteuern kommen die Besonderheiten der Parallelwelt Orméa zugute: Es handelt sich um eine „Trivialwelt“, in der menschliche Bedürfnisse wie Schlaf, Nahrung, lange Reisen oder Ähnliches keine Rolle spielen. Sie ist darauf ausgelegt, Schauplatz unzähliger und ununterbrochener Abenteuer zu sein. Und genau diese erwarten uns in einer hohen Schlagzahl.
Neben der eigentlichen Haupthandlung muss sich unsere Hauptfigur mit engagierten Herausforderern herumschlagen und darf sich typischen Ritter-Problemen stellen. Die dadurch erschwert werden, dass der friedfertig veranlagte Qwert lieber spricht als handelt. Und vom Idealbild eines Ritters sehr weit entfernt ist. Damit sorgt er auf dem eher handfest orientierten Kontinent für Verwirrung und einige unterhaltsame Szenen.
Ein Feuerwerk der Kreativität
Wie man es von Moers erwarten darf, strotzt dieses Werk nur vor kreativen Ideen. Er feuert unablässig aus allen Rohren und das mit einer Frequenz, mit der es allenfalls Jack Vance aufnehmen kann. Ob es nun um liebevoll ausgestaltete Figuren, eine einfallsreiche Welt oder einzelne Handlungselemente geht: Man darf buchstäblich auf jeder Seite gespannt sein, was unser Autor als Nächstes aus dem Hut zaubert.
Und kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die geneigte Leserin erwarten unter anderem Rostige Gnome, Riesengletscherzwerge, Kamelianer, die Stadt Creatopolis und die Bedrohung durch die Nichtilisten. Bewundernswert ist, dass trotz des allgegenwärtigen Humors die Balance zur Ernsthaftigkeit bis zu einem gewissen Grad gewahrt bleibt.
Jeder Satz ein Fest
In handwerklicher Hinsicht handelt es sich bei Moers ebenso um einen Meister seiner Zunft. Man merkt Moers die Freude an der Sprache einfach an – und diese Freude ist ansteckend. Jeder einzelne Satz ist ein Fest. Wir finden eine bildgewaltige Sprache, unzählige Wortspiele, urkomische Dialoge, ausschweifende Aufzählungen und grandiose Kofferwörter.
Auch hier kennt der Einfallsreichtum unseres Autors keine Grenzen. Sogar die gehäuft vorkommenden Schachtelsätze stehen in einem angemessenen Verhältnis zum Gesamtwerk. Die Aufteilung in 43 kürzere Abenteuer sorgt zudem für ein insgesamt hohes Erzähltempo.
Was bleibt?
Mit Qwert liefert Walter Moers einen weiteren herausragenden Zamonien-Roman ab. Inhaltlich handelt es sich um eine unterhaltsame Abenteuergeschichte, die insbesondere durch ein Feuerwerk an aberwitzigen und kreativen Einfällen zu begeistern weiß. Handwerklich erweist sich Moers als Könner seines Fachs und fesselt die Leserschaft mit seiner Freude an Sprache und Humor. Pflichtlektüre für Zamonien-Fans und alle, die es werden wollen.
Wundervolle Illustrationen
Die äußere Gestaltung der gebundenen Ausgabe aus dem Penguin Verlag kann trotz des recht hohen Preises überzeugen. Das große Buchformat macht die Lektüre stellenweise etwas unhandlich. Dafür lässt es die wundervollen Illustrationen des Autodidakten Walter Moers zur Geltung kommen, die der Geschichte eine neue Ebene hinzufügen.
Einband und Schutzumschlag bestechen obendrein mit einer strukturierten Oberfläche. Des Weiteren dürfen wir uns über ein Leseband, ein farblich passendes Kapitalband und einen einfarbigen Farbschnitt auf der Kopfseite freuen. Im Vor- und Nachsatz finden wir eine hilfreiche Karte des Kontinents Orméa.
Pro/Contra
Pro
- Hohe Dichte an kreativen Ideen
- Jeder Satz ist ein sprachliches Fest
- Unterhaltsame Abenteuergeschichte
Contra
- /
Fazit
Qwert von Walter Moers ist Pflichtlektüre für Zamonien-Fans und alle, die es werden wollen.
autor: Walter Moers
Titel: Qwert
Seiten: 592
Erscheinungsdatum: 2025
Verlag: Penguin Verlag
ISBN: 9783328604273
Übersetzer: –
illustrator: Walter Moers
Reihe: Zamonien (12)
Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt














