
Eugenie Grandet / Die Muse der Provinz
von Honoré de Balzac
06.08.2021
- Klassiker
Honoré de Balzac widmet sich in Eugénie Grandet und Die Muse der Provinz dem französischen Provinzleben. Was macht seine Werke heute noch so lesenswert?
Geizhälse und Affären
Eugénie Grandet (1833) dreht sich um den reichen Böttcher Grandet. Durch eine Mischung aus eisernem Sparen, gerissenen Geschäftszügen und glücklichen Erbschaften brachte er es zu einem Millionenvermögen. Seine Frau und seine Tochter Eugenie ahnen nichts davon: Geheizt wird selten, Essen, Kerzen und Geld sind streng rationiert und das Haus steht vor dem Verfall. Erst eine Liebschaft bringt die Wende.
Die Muse der Provinz (1843) dreht sich um die junge Dinah Piedefer, die den wesentlich älteren und machthungrigen La Baudraye heiratet. Dinah liest sich ein enormes Wissen an und wird eine passable Schriftstellerin. Doch ihr Leben und ihre kinderlose Ehe langweilen sie. Sie flieht nach Paris und beginnt mit dem Schriftsteller Etienne Lousteau eine Affäre. Doch schon bald holt sie die Realität ein.
Die menschliche Komödie
Honoré de Balzac ist vor allem für Die menschliche Komödie bekannt. Mit Essays, Romanen und Kurzgeschichten wollte er die französische Gesellschaft in der Zeit der Restauration abbilden. Und immerhin schaffte er es, 91 von geplanten 137 Werken zu veröffentlichen. Die zwei vorliegenden Romane drehen sich um einen Teilbereich, der sich der französischen Provinz widmet.
Seine Romane sind bittersüße Studien über die Menschen und ihre Gebräuche in Frankreich. Als hilfreich erweist sich die Nutzung eines auktorialen Erzählers, der mit viel schwarzem Humor und einem ordentlichen Schuss Sarkasmus das Geschehen kommentiert. Alle Figuren bekommen ihr Fett weg, sind aber nur selten unsympathisch. Zuweilen können sie sogar unsere Herzen gewinnen.
Vom Geld getrieben
So ist Monsieur Grandet zwar ein rücksichtsloser Geizhals, dennoch muss man ihn für seinen Geschäftssinn und seine Gerissenheit bewundern. Obwohl er ein Schloss und weitläufige Ländereien besitzt, bewohnt er ein zerfallenes Haus. Seine Familie ahnt nichts von diesem Reichtum. Es ist einfach herrlich, wie klein er sich macht und alle Geier an der Nase herumführt. Immer ist er einen Schritt voraus.
Dinah ist weniger unterhaltsam, einfach weil Balzac keine glaubwürdige Hauptfigur konstruieren konnte. Er verschmolz mehrere Romane und Geschichten zu einer Geschichte und konnte nicht alle Ungereimtheiten bereinigen. So ist es schwer vorstellbar, dass eine solche Frau ausgerechnet Etienne verfällt. Dafür begeistert der Roman mit verschiedenen Stilbrüchen, die die Handlung auflockern.
Der Einband hält
Die Ausgabe des Aufbau Verlags hat den Lauf der Zeit natürlich nicht unbeschadet überstanden. Dennoch hält der Leineneinband. Das Dünndruckpapier ist zwar vergilbt, aber immer noch stabil, nur ein Lesebändchen fehlt. Freuen dürfen wir uns über ein kurzes Nachwort von Fritz Georg Voigt und einige hilfreiche Anmerkungen. Die Übersetzungen stammen von Alice und Hans Seiffert und Gerhard Lazarus.
Werke von Honoré de Balzac
Pro/Contra
Pro
- Bittersüße Studien über die Abgründe des menschliche Dasein
- Humor, der zum Lachen und Weinen gleichzeitig einlädt
- Präzise Beobachtungen des Erzählers
Contra
- –
Fazit
Eugenie Grandet stellt eine gelungene schwarze Komödie über Geiz, Gier und Oberflächlichkeit dar. Die Muse der Provinz ist ein starkes Werk, kann dem Vergleich aber nicht standhalten. Dennoch zeitlos aktuell, unbedingt lesen!
autor: Honoré de Balzac
Titel: Eugenie Grandet / Die Muse der Provinz
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 1833
Verlag: Aufbau Verlag
ISBN: 9783257066128
Übersetzer: s.o.
illustratoren: –
Reihe: Die menschliche Komödie










Lieber Eugen,
der Roman ist wunderbar und ein Meisterwerk. Wie er diesen Geizhals beschreibt, mit all den Details und Feinheiten. Das werde ich nie vergessen. Wie er Eugenie die Goldmünzen immer schenkt, aber gleichzeitig so viel psychischen Druck aufbaut, dass sie garnicht frei darüber verfügen kann. Balzac hat mehrere Geizhälse und Wucherer beschrieben, das konnte er hervorragend.
Super Besprechung und schön, dass Du ein Buch von Balzac vorstellst.
Liebe Grüße
Tobi
Vielen Dank Tobi,
Meine Lektüre ist immerhin gut fünf Jahre her und ich kann mich immer noch lebhaft an Grandet erinnern. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie viel Spaß unser Autor beim Schreiben dieser Szenen hatte. Balzac kann es einfach.
Liebe Grüße,
Eugen