
Robinson Crusoe
von Daniel Defoe
02.04.2021
- Klassiker
Robinson Crusoe von Daniel Defoe zählt zu den bekanntesten Romanen aller Zeiten. Doch lohnt sich die Lektüre noch?
Gestrandet auf einer einsamen Insel
Die Handlung ist bekannt: Robinson Crusoe möchte der Mittelschicht entkommen und führt dazu viele moralisch zweifelhafte Geschäfte. Im Rahmen einer illegalen Expedition erleidet er Schiffbruch und kann sich auf eine einsame Insel retten. Nach einer kurzen Phase der Verzweiflung beginnt er damit, sich einzurichten und führt ein genügsames und einsames Leben. Bis er Jahrzehnte später endlich Spuren anderer Menschen findet.
Alexander Selkirk als Vorbild
Daniel Defoe wurde 1660 in eine mittelständische Familie geboren und sollte nach dem Willen seines Vaters Geistlicher werden. Stattdessen verdingte er sich als Kaufmann, bevor er im hohen Alter als Schriftsteller auftrat. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von Robinson Crusoe (1719) war Defoe bereits 59 Jahre alt.
Mit der Robinsonade prägte er eine populäre Literaturgattung und ruft bis heute unzählige Nachahmer hervor. Die Vorlage für sein Werk bildete der schottische Seemann Alexander Selkirk. 1704 wurde er – 600 km vom Festland entfernt – ausgesetzt und überlebte bis zu seiner Rettung vier Jahre auf einer einsamen Insel.
Religiöse und kaufmännische Einflüsse
Sowohl Defoes geistige als auch kaufmännische Erziehung nahmen großen Einfluss auf dieses Werk. Charakteristisch sind ellenlange buchhalterische Aufzählungen und Beschreibungen, an denen wir uns regelmäßig ergötzen dürfen. Mitunter aufgelockert durch ironische Kommentare. Der Aufenthalt auf der Insel ist geprägt durch Probleme wie eine funktionierende Landwirtschaft. Jegliches Aufkommen von Spannung wird zielgerichtet durch präzise Mengen- und Zeitangaben verhindert.
Die wenigen Actionszenen finden vor oder nach dem Inselaufenthalt statt. Immerhin hat dieser dadurch eine entschleunigende Wirkung. Robinsons religiöse Wandlung ist unvermeidlich: Zu Beginn hält er es nicht ganz so genau mit der Religion – mit bekannten Folgen. Erst seine Wandlung zum überzeugten Christen rettet ihn. Immerhin wird sein missionarisches Verhalten gegenüber Freitag nicht ohne eine Spur Ironie geschildert.
Ein Kind seiner Zeit
Robinson ist natürlich das Kind einer anderen Zeit: Es ist völlig unproblematisch, einen muslimischen Schiffsjungen, der ihm erst zur Flucht verhalf, zu verkaufen. Schließlich kann er nach zehn Jahren die Freiheit erlangen – sofern er bis dahin zum Christentum konvertiert. Auch ist die Sklaverei an sich kein Problem, außer, es trifft einen Europäer.
Und sogar der treue Freitag bleibt in seinen Augen immer ein Mensch zweiter Klasse. All dies erklärt auch, warum der Roman wie kein Zweiter von Kürzungen betroffen ist. Die ungekürzte Variante taugt nur bedingt als Abenteuergeschichte und weist viele Längen auf. Erst starke Kürzungen lassen das Motiv der Robinsonade deutlich hervortreten.
Gewohnt hohe Qualität
Die Ausgabe aus dem Mare Verlag weist die gewohnt hohe Qualität auf. Neben einem stabilen Schuber erwarten uns ein roter Leineneinband, eine Fadenheftung, dickes Papier und ein Leseband. Der Anhang bietet einen kleinen Anmerkungsapparat und ein Nachwort von Günther Wessel. Die vollständige Übersetzung stammt von Rudolf Mast.
Pro/Contra
Pro
- Eine der wenigen ungekürzten Ausgaben von Robinson Crusoe
- Das Motiv übt bis heute seinen Reiz aus
Contra
- Defoes veraltete Weltsicht
- Unzählige Aufzählungen lassen den Lesefluss stocken
Fazit
Robinson Crusoe von Daniel Defoe kann in der ungekürzten Fassung nur bedingt überzeugen. Die religiösen und kaufmännischen Einflüsse trüben den Lesegenuss. Eher aus historischen Gründen interessant.
autor: Daniel Defoe
Titel: Robinson Crusoe
Seiten: 400
Erscheinungsdatum: 1719
Verlag: Mare Verlag
ISBN: 9783866482913
Übersetzer: Günther Wessel
illustratorIn: –








