Mittig auf einer Holzfläche liegt ein grünes Buch mit dem Titel „Der Hobbit“, auf dem Einband ist ein roter Drache abgebildet.

Der Hobbit

von Der Hobbit


03.12.2021

  • Fantasy
  • ·
  • Phantastik

J. R. R. Tolkiens Der Hobbit gilt als Kinderbuchklassiker und gehört zum Kanon der phantastischen Literatur. Doch kann ein Kinderbuch aus dem Jahre 1937 die heutige Leserschaft noch erreichen?

Hin und zurück

Der Hobbit Bilbo Beutlin genießt sein beschauliches Leben, als eines Tages der Zauberer Gandalf und dreizehn Zwerge seine Ruhe stören. Nach einigem Hin und Her wird er von dieser Gemeinschaft – ohne entsprechende Vorkenntnisse – als Meisterdieb engagiert. Sein Auftrag ist es, den Schatz des Drachen Smaugs zu stehlen, der vor Jahren die Zwerge bestahl. Doch schon die Reise erweist sich als schwerer als gedacht. Und so müssen sie auf ihrem Weg zahlreiche Abenteuer bestehen.

Kindgerechte Abenteuergeschichte

Wir folgen einem auktorialen Erzähler, der hin und wieder im Text vorgreift und längere Zeiträume zusammenrafft. Tolkiens Stil ist sehr kindgerecht, er verzichtet auf weitschweifige Landschaftsbeschreibungen und fokussiert sich auf die Handlung. Zudem strotzt das Buch vor einfachen und humorvollen Gedichten und Gesängen, die sich gut in das Gesamtwerk einfügen. Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und wachsen dem Leser ans Herz, bleiben aber insgesamt recht eindimensional. 

Eine ausgefeilte Charakterzeichnung darf man von einem Kinderbuch ohnehin nicht erwarten, die Rollen sind klar verteilt. Die Charaktere stürzen sich in einem hohen Tempo in ihre Abenteuer und lösen Konflikte weniger mit Gewalt als vielmehr mit Witz und Verstand. Gewalt ist ein Thema, wird aber nie explizit beschrieben und steht nicht im Vordergrund. Der einzige Charakter, der eine Entwicklung vollzieht, ist Bilbo Beutlin, der sich von einem ängstlichen Hobbit zu einem echten Abenteurer mausert. 

Der Hobbit ist nicht Der Herr der Ringe

Mit dem Herrn der Ringe darf man dieses Buch nicht vergleichen. Zum Zeitpunkt des Erscheinens lag der Herr der Ringe noch in weiter Ferne. Viele Details wurden von Tolkien erst nachträglich eingefügt, um die Handlung anzugleichen. Dem Hobbit fehlen insbesondere die erzählerische Breite und die detaillierte Welt.

Es handelt sich letztlich um ein typisches Kinderbuch, mit all den Merkmalen dieser Erzählform. Ich kann mir vorstellen, dass ich als Kind mit weniger Leseerfahrung noch viel größeres Vergnügen bei der Lektüre hätte, aber auch so bietet das Buch mit der entsprechenden Herangehensweise viele vergnügliche Stunden.

Prachtvolle Ausgabe

Ich hatte das Glück, günstig eine in grünem Leder gebundene Ausgabe zu ersteigern. Neben dem verzierten Leder gibt es eine Fadenheftung, zwei Lesebändchen, einen Schuber und mehrere Karten. Des Weiteren wurden sechzehn Illustrationen der Erstausgabe (1937) beigefügt. Dem Buch ist ein Vorwort von Christopher Tolkien vorangestellt. Wer die Gelegenheit bekommt, die Ausgabe zu einem fairen Preis zu ersteigern, sollte zugreifen. Aber auch abseits davon gibt es schöne Ausgaben.

Wolfgang Krege wurde für seine Übersetzung stark kritisiert. Seine Fassung des Hobbits ist tatsächlich erstaunlich modern. Allerdings nahm der Verlag 2012 einige Änderungen vor und entschärfte weite Teile der Kritik. So wurde etwa aus „Taschenlampe“ eine „kleine Lampe“ und einige Charaktere wurden wieder umbenannt. Zwar gibt es auch hier einige etwas zu modern übersetzte Begriffe. Aber insgesamt passt diese Sprache hervorragend zum Zielpublikum.

Pro/Contra

Pro
  • Kindgerechte Abenteuergeschichte
  • Sympathische Charaktere
  • Die Krege-Übersetzung passt besser zur Zielgruppe
Contra
  • Eindeutig ein Kinderbuch

Fazit


Der Hobbit ist durch und durch ein Kinderbuch und darf nur als solches gelesen werden. Dann bietet es gute Unterhaltung für jüngere Leser und diejenigen, die diese Perspektive einnehmen können.

autor: Der Hobbit

Titel: Der Hobbit

Seiten: 400

Erscheinungsdatum: 1937

Verlag: Klett-Cotta Verlag

ISBN: 9783608938400

Übersetzer: Wolfgang Krege

illustratoren: –

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Flo
Flo
04.12.2021 22:55

Sehr schöne Version. Ich muss gestehen, dass ich auf diese Ausgabe neidisch bin. Sollte ich ebenfalls mal eine Gelegenheit haben, die Luxusausgabe zu einem vernünftigen Preis zu bekommen, dann werde ich wohl zuschlagen.

Zumindest íst bei mir ganz neu ein Beitrag zur besten Hörbuch-Version zu The Hobbit online. Ich kann von dieser Version nur Schwärmen!

Eugen
05.12.2021 22:49
Antwort an  Flo

Wenn sich die Gelegenheit bieten sollte, dann solltest du unbedingt zuschlagen! Die momentan aufgerufenen Preise sind allerdings viel zu hoch, ich habe nur einen Bruchteil dessen bezahlen müssen.

Was ich bisher vom Hörbuch gehört habe, hört sich großartig an – danke für den Hinweis auf deinem Blog! 
Während der Feiertage werde ich mir auf jeden Fall das komplette Hörbuch gönnen 😀

Flo
Flo
10.12.2021 23:40
Antwort an  Eugen

An der Stelle sei gesagt, dass es vom Herr der Ringe ein ganz ähnliches Projekt gibt. Nicht ganz so gut, aber schließlich war das ja auch noch ein paar Jahre früher. Hier musst du nach Phil Dragash googlen 😉

Eugen
16.12.2021 22:37
Antwort an  Flo

Es ist schon erstaunlich, wozu einzelne in der Lage sind – ich würde mir von so manchem professionellen Hörbuch eine solche Qualität wünschen!

Nochmals Danke! 😀